Die sozialen Medien haben dazu geführt, dass der Auftritt im Netz die Erwartungen bestimmt. Das hat Folgen für Kirchgemeinden.

Entscheidende Kriterien

  • Eine Website wird erst gut, wenn klar feststeht, was sie erfüllen soll.
  • Eine Website vermittelt neben Informationen auch ein Bild von der Gemeinde. Welches Bild soll vermittelt werden?
  • Die Informationen auf einer Website müssen eine Hierarchie haben: Je wichtiger die Information, desto weniger Klicks zur Information.
  • Die Website muss aktuell erscheinen. Ein wöchentliches Update mit neuen Inhalten sorgt für diesen Eindruck.
  • Die Website sollte mit Bildern angereichert sein. Profifotos können bei pixabay.com und wikimedia.org kostenfrei heruntergeladen werden.

Die intensive Nutzung der sozialen Medien führt zum Eindruck, dass das Netz eine «Wirklichkeit» biete, die mehr zählt als die eigentliche Realität. Die virtuelle Welt erscheint spannender als die direkte Umgebung. Das ist nicht bloss ein Phänomen bei der heutigen Jugend, sondern auch bei der älteren Generation. Insbesondere die Facebook-Nutzer werden in der Schweiz immer älter. Die Gruppe der über 50-Jährigen macht laut jüngster Erhebung von Facebook schon fast einen Fünftel aller 3,3 Millionen Nutzer in der Schweiz aus. Und: die «50 plus»-Gruppe wächst schneller als jene der 40- bis 49-Jährigen. Jugendliche finden Facebook derweil schon länger nicht mehr «cool», sie sind heute bei Snapchat.

Was heisst das für Kirchgemeinden? Die Mitglieder beurteilen ihre Gemeinde zunehmend nach ihrer Homepage und nach ihrer Facebook-Präsenz. Die Kirchenblätter, die von der Gestaltung her immer stärker dem Erscheinungsbild kommerzieller Publikationen nachstehen, werden weniger, und in Zukunft wohl noch weniger, zur Hand genommen. Die gewünschten Informationen holen sich immer mehr Menschen aus dem Netz. Die Art des virtuellen Auftritts der Gemeinde hat dabei einen – heute vielfach unterschätzten – Einfluss auf die Wahrnehmung der Gemeinde. Vom Attraktivitätsgrad der Präsentation des Kirchenangebots wird nämlich direkt auf den Attraktivitätsgrad des Kirchenangebots geschlossen. Das ist eine Konsequenz der Internetnutzung. Heute bucht wohl niemand mehr ein Hotel im Ausland, das über keine Website verfügt. Sind die Fotos des Hotels in Ravenna oder Thessaloniki klein, schlecht beleuchtet und unattraktiv präsentiert, überlegt man sich wohl zwei Mal, ob man in einem solchen Haus absteigen will. So bestimmt die virtuelle Wirklichkeit, ob man sich auf die reale Wirklichkeit einlassen will – oder eben nicht.

Die Versuchung ist natürlich gross, sich auf den Standpunkt zu stellen, der Kern der Gottesdienstbesucher wisse ja genau, wann welches Angebot stattfinde, und die anderen Mitglieder, die selten oder kaum je in die Kirche kommen, würden auch bei einer attraktiveren Homepage und bei wechselnden Facebook-Inhalten nicht dazu ermuntert. Ist das Resignation oder einfach nur Bequemlichkeit? Denn auch aktive Kirchenmitglieder, die zu den regelmässigen Besuchern gehören, «verdienen» heute eine attraktive Web-Präsenz ihrer Gemeinde. Sie aktiviert, motiviert und stärkt das «Gemeindebewusstsein», wie aus Facebook-Erfahrungen abgeleitet werden kann. So lassen sich leichter Freiwillige für Ämter finden. Was sind die Standards für einen Internetauftritt? Die Menschen sind heute vom Fernsehen geprägt. Die Bildabfolge ist reich und schnell. Laut Bundesamt für Statistik lag in der Deutschschweiz im Jahr 2014 der durchschnittliche Fernsehkonsum bei 128 Minuten pro Tag. Die Printmedien haben im Layout in den vergangenen Jahren zugelegt. Jede Illustrierte, jedes Nachrichtenblatt bietet heute eine reiche Komposition von Bildern pro Ausgabe. Das verändert die Erwartungshaltung massiv, auch an die Internetpräsenz.

Wer heute auf seiner Website über die ganze Bildschirmseite textet, keine Spalten bildet und den Text nicht gestaltet, wirkt hilflos oder unfähig. Ein Rückschluss auf die Qualität des so vermittelten Angebots könnte fatal sein – und findet, zumindest unbewusst, doch statt. «Abgestanden, verstaubt, fern vom aktuellen Leben», das sind Spontaneindrücke, die einem durch den Kopf gehen, wenn die Website wie eine Schülerzeitung daherkommt. Die Folge: Man hat keine Lust, am Kirchenleben stärker zu partizipieren.

Neben der Gestaltung ist die Führung durch die Website ganz entscheidend. Wird man, wenn man auf der Homepage das Gottesdienstangebot sucht, per Link auf das Kirchenblatt geführt und muss man sich dann auf der externen Seite durchklicken und mühsam zum gesuchten Angebot scrollen, ist die Gefahr gross, dass der Suchende gar nicht so weit vordringt. Eine Website hat viel mit der Architektur eines Hauses zu tun. Bei einem Haus oder einer Wohnung ist eine logische Anordnung zwingend. Wenn man den Hauseingang betreten hat, landet man hinter der nächsten Tür nicht im Geräteschuppen des Nachbarhauses. Es ist deshalb sinnvoll, das Gottesdienstangebot übersichtlich und attraktiv auf der Homepage aufzuführen und die Details zur aktuellen Woche einen Klick später schön gestaltet auszubreiten. Zweifellos führt das zu mehr Arbeit. Eine Prioritätenverschiebung zugunsten des Webs lohnt sich aber. Laut einer Studie von Pro Senectute benützen bereits heute 56 Prozent aller Senioren das Internet, davon 46 Prozent mobil.