Gemeindebriefe sind ein Aushängeschild der Gemeinde. Sie wenden sich an die abwesende Mehrheit. Deshalb wäre bei Gestaltung und Inhalt besondere Sorgfalt nötig – oft ist das aber nicht der Fall.

Margot Kässmann, Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, hat eine klare Vorstellung von Gemeindebriefen: «Gemeindebriefe könnten noch stärker vermitteln, welche Menschen Teil der Gemeinde sind.» In der Schweiz sehen heute viele Gemeindebriefe gleich aus wie vor zehn oder zwanzig Jahren. Offenbar löst das keine Reaktionen aus, sonst hätte sich in der Aufmachung und im Inhalt etwas verändert. Das lässt mutmassen, dass Gemeindebriefe wenige Leser finden. Das ist schade, weil trotz erheblichem Aufwand an Zeit und Geld dadurch gleich mehrere Chancen verpasst werden.

Ideen zum Inhalt

  • Rückblick auf das Gemeindeleben anhand einiger konkreter Beispiele
  • Porträt einer Person, die in der Gemeinde ehrenamtlich tätig ist
  • Porträt eines besonderen Angebots der Gemeinde
  • Highlights der kommenden Monate, aber nicht als Programmauflistung
  • Darlegung der Motivation eines aktiven Gemeindemitgliedes
  • Ereignisse bei den Kirchenangestellten

Die Menschen sind durch den täglichen, mehrstündigen Medienkonsum (Zeitungen, Illustrierte, Internet, Fernsehen) optisch an gewisse Standards gewöhnt. Kommt nun ein gefaltetes Papier mit einer Bleiwüste und miserablen Fotos als Gemeindebrief ins Haus, fällt das so stark vom Gewohnten ab, dass er kaum Chancen hat, beachtet zu werden. Das geht – wissentlich oder unwissentlich – auf Kosten der Kirche. Jene, die am Gemeindeleben nicht teilnehmen, heute praktisch überall die grosse Mehrzahl, fühlen sich durch eine solch unbeholfene Kontaktnahme wohl kaum animiert, die eigene Abwesenheitshaltung zu überprüfen. Ein Gemeindebrief mit Allgemeinplätzen ist kein Brief aus der Gemeinde und festigt deshalb bei den Abwesenden eher das Desinteresse an der Gemeinde. Gefragt sind ein neuer Auftritt, andere Informationen aus der Gemeinde und kurze Impulse, die anregen, auch wieder einmal einen Fuss in die Kirche zu setzen oder an einer kirchlichen Veranstaltung teilzunehmen. Ein Programm mit der blossen Auflistung der Veranstaltungsdaten genügt natürlich nicht, um dieses Ziel zu erreichen.

Der Weg zu einem attraktiveren Gemeindebrief, der für eine bessere Aussenwirkung sorgt, ist leicht zu begehen: Eine gute Ausgangslage ist die Bestimmung eines Redaktionsteams. Dadurch ist gewährleistet, dass der Gemeindebrief nicht «schnell nebenbei» läuft, sondern die notwendige Aufmerksamkeit bekommt. Das Redaktionsteam macht sich grundsätzliche Gedanken darüber, was das Ziel oder die Funktion der künftigen Gemeindebriefe sein soll. Stehen die Schwerpunkte fest, muss geklärt werden, in welcher Form diese Funktion optimal erfüllt wird. Ein Designergrundsatz lautet: Die Form folgt der Funktion. Das weitverbreitete Bestreben, möglichst viele Informationen auf wenig Platz unterzubringen, führt am Ende immer zu defizitären Resultaten, die schülerzeitungshaft und unattraktiv wirken. Zwei A4-Blätter oder zwei A3-Blätter, was acht Seiten Text entspricht, sind Optionen.

E-Mail-Adressen

Gemeindebriefe eigenen sich hervorragend für einen Versand per Mail. Platzieren Sie im nächsten Gemeindebrief einen Aufruf, sich den Brief künftig per Mail zustellen zu lassen. Richten Sie für diesen Zweck eine besondere Mailadresse ein. Das verursacht in der Adressverwaltung zwar einen gewissen Aufwand. Die längerfristige Einsparung darf aber nicht unterschätzt werden (Papier, Couvert, Verpackungsaufwand, Porto). Zudem wirkt ein Gemeindebrief auf dem Bildschirm besser. Die Fotos leuchten und die Schrift kann vergrössert werden, was vor allem ältere Menschen schätzen. Pro Senectute geht laut einer Erhebung davon aus, dass ältere Menschen schon in naher Zukunft bedeutend mehr Tablets benützen werden.

Ganz entscheidend ist das Layout, die Gestaltung des Gemeindebriefes. Denn ein Gemeindebrief soll keine Ansammlung von Texten sein, sondern ein Gesamtwerk, das optisch anspricht. Mit Computerkenntnissen und einem Layoutprogramm ist dies leicht umzusetzen. Eine gute Alternative zu den professionellen und teuren Programmen wie Adobe ist das kostenlose Open Source Desktop Publishing Scribus. Kostenlose Bilder in sehr guter Qualität bietet die Onlineplattform Pixabay an. Das Layout kann heute auch sehr leicht an einen Grafik-Freelancer delegiert werden. In der Regel wird in diesem Fall nach Absprache ein Layout erstellt mit genauen Zeichenvorgaben für die einzelnen Textelemente, die dann vom Redaktionsteam per Mail übermittelt werden. Der fertige Gemeindebrief wird wiederum elektronisch als PDF-Dokument übermittelt – bereit zum Ausdrucken und Verschicken oder zum elektronischen Versand. So viel zur Form, die dem Inhalt folgt.

Beim Inhalt sollte man auf Gedichte und saisonale Betrachtungen verzichten, weil Derartiges beliebig austauschbar ist und sehr schnell langweilt – zu Recht, denn es hat mit dem Gemeindeleben nichts zu tun. Die Menschen der Gemeinde müssen im Zentrum stehen. Nichts ist für Menschen spannender als Mitmenschen, allein diese vermögen die Lebendigkeit der Gemeinde zu vermitteln. Gelingt das, wird die Aussenwirkung attraktiv.