500 Jahre Reformation: Das Jubiläum sollte auch in der Gemeinde thematisiert werden. Aber wie und in welchem Rahmen?

Die Feierlichkeiten um die Reformation vor 500 Jahren haben bereits klare Spuren hinterlassen. Das führt da und dort zur drängenden Frage: «Sollten wir auch etwas machen?» Solche Fragen werden gerne mit dem Zeitargument beantwortet: «Zeitlich ist es zu knapp, um noch etwas zu organisieren.»

Im Falle des Reformationsjubiläums wäre jedoch eine solche Haltung eine vertane Chance. Es ist dabei unerheblich, ob es sich um eine römisch-katholische, christkatholische, reformierte, lutherische oder freikirchliche Gemeinde handelt: Eine Auseinandersetzung mit dem Reformationsjubiläum auf Gemeindeebene kann auch einen neuen Zugang zur eigenen Kirche eröffnen.

Ist Ihre Kirche in der Diaspora entstanden? Ist sie eine der ersten römisch-katholischen Kirchen in einer protestantischen Stadt? Oder ist Ihre reformierte Kirche in einer streng katholischen Region gebaut worden? Oder wie sah Ihre Kirche aus, bevor sie eine reformierte wurde. Was wurde verändert? Solche Themen eignen sich gut für einen Vortragsabend im Gemeindesaal, vorzugsweise ab 20 Uhr, nach dem Abendessen und der Kinderbetreuung, damit auch berufstätige Männer teilnehmen können.

Ein mehrheitsfähiges Thema, das immer interessiert, ist die wirtschaftliche Veränderung Ihrer Gegend aufgrund der Reformation. Das Hörbuch «Zeitreise Reformation» aus dem Verlag von «Kirche!» dokumentiert die aus der Reformation resultierende Entwicklung von Genf, Bern, Zürich, Basel und St. Gallen. Liegt Ihre Gemeinde in der Nähe einer dieser Städte, können Sie das entsprechende Stadtporträt vorspielen und den Bogen zu Ihrem Standort ziehen. Denn die Ausstrahlung der Reformationsbewegungen in den einzelnen Städten war sehr unterschiedlich, aber aus heutiger Sicht immer spannend. Die Auseinandersetzung mit der historischen Entwicklung führt oft zu erstaunlichen Erkenntnissen über die Verhältnisse in der Gegenwart und kann Energien freisetzen, sich in der eigenen Gemeine neu oder vertieft zu engagieren.