Ob kirchliche Behörden als Insider-Klübli, als geschlossene Veranstaltungen Gleichgeschalteter, oder als attraktive Gremien erscheinen, hängt von der «Good Governance» ab. Sie ist heute oft ausschlaggebend für ein Engagement.

«Corporate Governance» und «Good Governance» prägen heute das Handeln der Unternehmen. Gemeint sind damit Standards für eine verantwortungsvolle Führung. Ein Beispiel: Daniel Vasella war bei Novartis Verwaltungsratspräsident und gleichzeitig CEO. Solche Machtballungen sind heute bei börsenkotierten Unternehmen verpönt und mit einer guten Corporate Governance nicht mehr vereinbar. Im Non-Profit-Sektor sind Grundsätze guter Führung noch jung. Besonders in kirchlichen Gremien ist die Sensibilität dafür noch gering, was für die Aussenwahrnehmung Folgen hat. Entscheidend für Gremien mit einer positiven Signalwirkung sind: Anzahl der Mitglieder (besser mehr als weniger), personelle Zusammensetzung (Frauen, Männer, Junge, Ältere), Kompetenz (Abbild des Gemeindelebens) und Unabhängigkeit der Mitglieder. Die Gefahr von Befangenheiten ist der heikelste Punkt, der in vielen Gemeinden zu unausgesprochenen Irritationen führt. Die Ehefrau des Organisten oder der Mann der Katechetin machen sich nicht gut in der Kirchenpflege. Bezahlte Aufträge an den Ehepartner eines Behördenmitglieds führen intern zu Befangenheiten und extern zum Eindruck von Günstlingswirtschaft. Die Gründe für skandalträchtige Ereignisse in Kirchengremien liegen oft in solchen Konstellationen. Mit Selbstregulierungen wird für Transparenz und Sicherheit gesorgt, was die Reputation und das Vertrauen in die Gemeinde verstärkt. Wer heute Behördenmitglieder wünscht, die für einen qualifizierten Input durch Know-how-Transfer aus der Wirtschaft oder der Verwaltung sorgen, kann sich nicht mehr rückständige Strukturen leisten. Denn Gremien, die verstaubt und fern von der Realität des Berufsalltags operieren, erscheinen schnell als unattraktiv und ineffizient. Es ist auch nicht förderlich, pflegeleichte Mitglieder in Gremien zu holen, um Machtstellungen zu erhalten. Das führt zu einem Erstarren, und erstarrte Strukturen vermögen kaum Ehrenamtlich zu mobilisieren.