Andreas Batlogg hat eine beeindruckende Karriere hinter sich. Als promovierter Theologe leitete der Jesuit die Zeitschrift «Stimmen der Zeit» und war bis 2015 wissenschaftlicher Leiter des Karl-Rahner-Archivs in München. Der 56-jährige Bregenzer war voller Projekte, als ihm im Herbst 2017 eine Krebsdiagnose gestellt wurde. Es musste sofort gehandelt werden: Die Chemotherapie schädigte seine Schleimhaut, die erste Operation verlief suboptimal, eine weitere Operation für einen temporären künstlichen Darmausgang drängte sich auf und die nachfolgende Chemotherapie schwächte den Jesuiten furchtbar. Nun liegt sein Buch über dieses Schicksal vor, mit dem vielsagenden Titel «Durchkreuzt». Batloggs Zukunftspläne wurden von der Krebsdiagnose durchkreuzt, durch ihn zog das Kreuz – man kann viel in diesem Titel lesen. «Wenn meine Art und Weise nachzudenken, Fragen aufzuwerfen und nach Hoffnungsworten zu suchen, andern Menschen in ähnlichen Situationen helfen kann, hat dieses Buch einen Sinn», schreibt Batlogg im Vorwort. Die zentrale Frage, die sich durch das intime Buch zieht, lautet: Hilft der Glaube und was davon? Denn Batlogg hat das Buch während der Behandlung geschrieben, im absoluten Dunkel und im Licht voller Hoffnung. Er hat einen Onkologen zum Freund, und als er dem den Befund mitteilte, sagte der Arzt: «Jetzt bin ich für dich da!» Batloggs erste tiefe Erfahrung: Gott ist da – durch Mitmenschen, die Anteil nehmen. Dann folgte bald die zweite Erfahrung: «Glauben imprägniert nicht gegen den Schmerz der Welt. Er bewahrt nicht vor Unglück, vor Katastrophen, Leid, Krankheit. Aber vielleicht bewahrt er davor, in solchen Situationen zu verzweifeln, sich vorschnell aufzugeben, zum Zyniker zu werden oder zum Trinker.» Und dann: «Religion ist nicht das Gegenteil von In- Foto: zVg Impressum

 

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Später stellt sich bei Batlogg die tiefe Erkenntnis ein, dass Jesus an der Seite ist, dass man mit ihm rechnen darf, immer. Der Jesuit fragt sich: «Hatte es dafür Krebs gebraucht?» Der Jesuit geht seinen Weg weiter und nimmt hin, was kommt: «Die Diagnose Krebs durchkreuzt Lebenspläne. Sie erzwingt ein Umdenken. Ob daraus wirklich eine Schule des Lebens wird, hängt jedoch davon ab, ob man seine Krankheit akzeptiert. » Batlogg hat das getan und das Beste daraus gemacht. Das letzte Kapitel seines Buches trägt den Titel «Endlich leben!». Das ist heute sein Programm. «Durchkreuzt» ist ein starkes Buch von einem Priester, der vom Leben arg geschwächt wurde und heute spirituell wohl stärker ist als je zuvor.