Arbeiten in Gremien – gehe es nun um die Aufstellung eines Ad-hoc-Chors oder um die Entscheidungsfindung der Baukomission – bedingt immer auch einen achtsamen Umgang mit den Freiwilligen. Aber wie geht man mit sensiblen Menschen um?

Susanne W. fühlte sich nicht mehr ernst genommen. Sie kam kaum zu Wort, und wenn sie endlich ihre Meinung darlegen konnte, fiel man ihr ins Wort. Sie fühlte sich der Situation nicht mehr gewachsen, schmollte und erklärte schliesslich ihren Austritt – wegen Arbeitsüberlastung. Ihr Mann meinte, sie sei eben zu sensibel. Durch die Individualisierung der Gesellschaft hat die Sensibilität der Menschen eher zugenommen. Die Menschen verkehren heute in Parallelwelten, sind dadurch stärker exponiert und deshalb auch verletzlicher geworden.

Typische Verhaltensmerkmale sensibler Menschen sind:

  • Grosses Einfühlungsvermögen, aber auch wenig Abgrenzung gegenüber anderen.
  • Vorherrschendes Gefühl, für alles verantwortlich zu sein.
  • Gutes Benehmen, auf die Form bedacht.
  • Negative Kritik wird persönlich genommen, oft als direkter Affront.

Für sensible Menschen ist Wertschätzung entscheidend. Deshalb ist es wichtig, ihren Voten und Vorschlägen Raum zu gewähren. Dies wird dadurch begünstigt, dass man das Wort an sie richtet und ihre Meinung einholt. Wer eine Sitzung leitet, sollte darauf achten, dass alle ihre Meinung darlegen können. Mit Rücksicht auf die Zurückhaltung sensibler Menschen ist es hilfreich, vor einer Sitzung, in der eine Entscheidung getroffen wird, von allen Beteiligten die schriftliche Darlegung der Pro- und Contra-Argumente einzuholen. Die Sitzung kann dann mit der Auswertung der Stellungnahmen eröffnet werden; zum Beispiel: Eine klare Mehrheit ist für eine Anschaffung, eine Minderheit istaus folgenden Gründen dagegen. So kommt sofort eine Diskussion in Gang, bei der sich alle eingebunden fühlen und auch entsprechend Verantwortung übernehmen. Bei Kritik gegenüber sensiblen Menschen gilt es besondere Vorsicht walten zu lassen, denn Kritik wird von ihnen als Ablehnung und Antipathie empfunden, was auf die Stimmung drückt. Aber auch bei Lob ist die richtige Dosierung entscheidend. Wird Lob für Selbstverständliches ausgesprochen, wird es von den Anwesenden schnell als unglaubwürdig durchschaut, worunter die Gesprächsqualität leidet. Denn unechtes Lob wird oft als «strategische Massnahme» oder gar als Vorstufe einer Kritik interpretiert. Ein Klima allgemeiner Wertschätzung ist deshalb an Sitzungen hilfreicher als übertriebenes Lob.

Schmollen führt beim Menschen oft zum Rückzug. Ob der Gorilla schmollt, bleibt allerdings der Fantasie überlassen. Foto: pixabay.com