Mit ihrer Band «maryLu» hat Manuela Gagliotta den ersten Kirchenmusikwettbewerb der Schweiz in der Kategorie «Performance» 2016 gewonnen – zu ihrer eignen Überraschung.
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Manuela Gagliotta, Musikerin aus Leidenschaft und seit vielen Jahren in der katholischen Kirche engagiert, sprüht förmlich vor Energie und Tatendrang. Seit ihrer Kindheit musiziert die 43-Jährige. Zusammen mit ihrer Band «maryLu» hat sie 2016 den ersten Preis in der Kategorie «Performance» des ersten Kirchenmusikwettbewerbs der Schweiz gewonnen. Rund zwanzig Beiträge wurden für den Wettbewerb «Klang und Gloria», organisiert von den Landeskirchen und der Zürcher Hochschule der Künste eingereicht. Die Darstellungsformen hätten unterschiedlicher nicht sein können; sie reichten von klassischen Kompositionen und Tanz über Rap und Popsongs bis hin zu multimedialen Werken. «Nein, wir hatten nicht damit gerechnet, dass wir gewinnen würden», erklärt Manuela Gagliotta. Nicht etwa, weil sie ihren Beitrag nicht für gut genug befunden hätten, sondern weil sie davon ausgingen, dass die Musik für die Landeskirchen zu unkonventionell sei: «Wir haben ja keinen akademischen Hintergrund, sprich wir haben Musik nicht studiert, sondern uns alles selbst beigebracht.» Die Band «maryLu» sei nämlich aus einer gewissen Unzufriedenheit mit den Landeskirchen entstanden: «Mein Leben lang ging ich zur Kirche. Ich wuchs in einer stark katholisch geprägten Familie auf, wie mein Mann auch. Als ich dann Mutter von vier kleinen Kindern wurde, merkten wir jedoch auf einmal, dass in den Landeskirchen eigentlich kein Platz für junge Familien ist, weil sie als Störfaktor wahrgenommen werden.» Beim kleinsten Geräusch sei sie schief angeschaut worden. «Nach langer Suche haben wir schliesslich eine in Zürich Seebach gefunden, die sich genau für solche Fälle etwas einfallen lassen hat.» Die 43-Jährige war derart begeistert von der Neuausrichtung der Messe, dass es ihr zum Anliegen wurde, sich für die Gemeinde zu engagieren, um auch andere für die Kirche zu gewinnen.

Mit Gleichgesinnten entstand die Band «maryLu». Heute besteht sie aus vierzehn aktiven Mitgliedern. Sie schreiben ihre eigene Musik und führen sie auch auf, meist in Kirchen, die sich erhoffen, durch die Musik mehr Menschen in die Messe zu locken. Die Musikrichtung kann man als folkloristisch bezeichnen, die Texte handeln vom Glauben – eine Erkenntnis, die der Band zu neuem Elan verholfen hat: «Wie nie zuvor arbeiten wir nun an neuen Liedern.»

Unter www.marylu.ch kann man die Band kontaktieren und CDs kaufen.

Mit Musik in die Kirche locken

Der Kirchenmusik fehlt es je länger, desto mehr an Nachwuchs. Dabei besteht in der Schweiz eine grosse Nachfrage nach ausgebildeten Kirchenmusikern, da in den kommenden Jahren ein Grossteil von ihnen pensioniert wird. Der Grund für den Studentenmangel ist das schlechte Image der Kichenmusik. Um das Image der Kirchenmusik zu verbessern, haben sich die beiden Landeskirchen im Kanton Zürich für den ersten Kirchenmusikwettbewerb der Schweiz engagiert: «Klang und Gloria» soll helfen, den Ruf der Kirchenmusik aufzupolieren, damit sich zum einen mehr Studenten für das Studium anmelden und sich zum anderen mehr Menschen für den Gottesdienst begeistern, wie Kerstin Lenz, Informationsbeauftragte der Katholischen Kriche des Kantons Zürich, im Interview ausführt.

    • Kerstin Lenz, welche Berufe gibt es im Bereich Kirchenmusik?
      Grob gesagt sind es Organisten und Chorleiter, die gesucht werden. Das mag im ersten Moment klingen, als handle es sich dabei um wenige Stellen, die es zu besetzen gilt. Allerdings haben die Kirchen mehr als nur einen Chor, weil es ja auch verschiedene Musikrichtungen gibt. Wie viele Stellen es in der Schweiz insgesamt gibt, kann ich aus dem Stegreif nicht sagen. Aber es sind einige.
    • Die Kirchenmusiker sind Angestellte der Kirche, die ja eine Vorstellung davon hat, wie die Musik während der Messe sein soll. Bleibt da Platz für Kreativität?
      Das hängt von der Kirchgemeinde ab. Im Wettbewerb ging es uns darum, die Kreativität zu fördern. Wir wollten, dass sie uns ihre Ideen aufzeigen, wie man einen Gottesdienst anders als wie im Lehrbuch beschrieben gestalten könnte. Es erstaunte uns, wie einfallsreich und unterschiedlich die Beiträge ausfielen.
    • Aber wie realistisch ist es, dass sich solche Musikstücke auch in einem konventionellen Gottesdienst durchsetzen?
      Meiner Erfahrung nach sind die meisten Kirchgemeinden sehr offen für neue, kreative Ansätze. Die Musik ist es ja, mit der die Gläubigen auch in die Messe gelockt werden. Und dass man heute mit altertümlichen Liedern keinen mehr vom Stuhl haut, ist auch den Kirchgemeinden bewusst. Neue Musik kann also ein Weg sein, damit mehr Menschen den Gottesdienst besuchen. Aber dafür brauchen wir wiederum gute Kirchenmusiker, von denen es allerdings immer weniger gibt. Deshalb haben wir den Wettbewerb ausgeschrieben.
    • In Kreisen der Kirche wurde der Wettbewerb positiv aufgenommen. Wann wird er wieder stattfinden?
      Das ist noch offen. Einen Event wie «Klang und Gloria» zu organisieren, ist aufwendig und kostet Geld. Allerdings waren alle Beteiligten sehr angetan vom Anlass und der Resonanz. So wurde ich bereits mehrmals gefragt, wann der nächste Wettbewerb wieder stattfinden wird. Wir treffen uns im Herbst mit der Hochschule, dann können wir über die Finanzierung und den Zeitplan sprechen. Ich hoffe, dass wir ihn 2018 wieder durchführen können.
Manuela Gagliotta, Musikerin: «Musik, das ist ein Gefühl, das es auszudrücken gilt, das ist eine Leidenschaft, die in einem lodert, das ist eine Botschaft.» Foto: zVg