Eine moderne energiesparende Beleuchtung der Kirche und ihrer Nebengebäude ist kaum mehr wegzudenken. Doch es gilt, viele Punkte zu bedenken.

Eine Stadt bei Nacht zu erkunden, bietet einem ein völlig anderes Erlebnis als tagsüber. Mit dem Tageslicht sehen wir, was wir sehen müssen, in der Nacht sehen wir das, was wir sehen wollen. Das Licht ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Wir brauchen es zur Orientierung und zum Funktionieren. Doch nebst den praktischen Aspekten kann Licht auch eine ästhetische Aufgabe erfüllen: Mit einer massgeschneiderten Beleuchtung kann man Gebäude zum Leben bringen und ihnen einen einzigartigen Glanz verleihen. Ein Turm ragt erst dann recht in den Himmel hinaus, wenn er sich, gut beleuchtet, von der Finsternis abhebt.

Der Trend zu beleuchten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Schweiz immer mehr durchgesetzt. Nicht nur Kirchen, Brücken oder Geschäfte werden erhellt, sondern auch private Gebäude erstrahlen zunehmend im Lichtglanz. Das eigene Haus soll beleuchtet sein, damit es schön prominent dasteht, aber auch für Einbrecher unattraktiver wird. Verschiedenste Dekorationslichter dürfen nicht ausbleiben – die Gartenzwerge müssen bei Nacht ja auch noch was sehen können. Mit dem Verwachsen der Agglomerationen und dem zunehmenden Beleuchtungstrend steigt jedoch auch die Lichtverschmutzung. Das Nachtökosystem wird gestört, und der Nachbar, der gegenüber Ihrem Schlafzimmerfenster für die Feiertage einen mehrfarbig blinkenden Weihnachtsmann installiert hat, wird wohl auch Sie vom gesunden Schlaf abhalten.

Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) haben die «gegen den Himmel ausgerichteten Lichtemissionen» in den vergangenen zwei Jahrzehnten um rund siebzig Prozent zugenommen. In den Agglomerationen sieht man dadurch heutzutage im Schnitt lediglich noch einen Viertel der Sterne in der Nacht. Gesetzliche Grundlagen gegen die Lichtverschmutzung sind im Umweltschutzgesetz (USG) vage vorhanden. Die «Emissionen», in diesem Fall «Strahlen», sind allgemein so weit einzuschränken, als dies realistisch möglich und für die Wirtschaft tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 USG). Demnach müssen die Gartenzwerge Klausi und Peppi wohl doch ohne Nachtlicht auskommen – eine immerhin recht unstrittige Emissionsbegrenzung. Alle anderen Fälle, die nicht glasklar sind, müssen sich auf detailliertere Verordnungen beziehen. Diese können je nach Gemeinde sehr unterschiedlich sein. Ein Bundesgerichtsentscheid aus dem Jahr 2013 (BGE 140 II 33) sagt, dass die Begrenzung von Lichtemissionen im Allgemeinen und insbesondere im Nachtruhefenster (22 bis 6 Uhr) dem öffentlichen Interesse gilt – ein Appell an den gesunden Menschenverstand.

Die Technik ist in der Zwischenzeit jedoch nicht stillgestanden. Die neuen LED-Birnen sind um ein Vielfaches energieeffizienter. Sensoren schalten Licht nur dann ein, wenn es benötigt wird. Um Licht nicht sinnlos in den Weltraum auszustrahlen, werden zum Beispiel Strassenlaternen nur auf den Boden gerichtet und nicht für die Rundumbeleuchtung eingesetzt. Ein gutes Mittel zur Beseitigung von redundanten Emissionen bei Aussenbeleuchtungen ist ein sogenannter «Gobo» ‒ ein «Graphical optical blackout». Diese Art von Silhouettenschablone kann für Scheinwerfer so angefertigt werden, dass nur das Gebäude beleuchtet wird, jedoch kein restliches Licht an den Fassaden vorbeischeint. Es ist sogar möglich, die einzelnen Fenster unbeleuchtet zu lassen, damit man im Inneren nicht geblendet wird.

Mit LED-Lampen zu experimentieren schadet nicht – natürlich in einem gewissen Rahmen, der dem Gebäude und den Menschen gerecht wird. Die Kirchenkanzel zum Beispiel mit solchen Dioden auszustatten, wäre eher unorthodox und würde eine Ablenkung verursachen. Doch könnte man die Fenster mit dezenten LED-Lichtstreifen von der unteren Basis aus beleuchten, damit die Bleiverglasung auch im Dunkeln schön strahlt. Mit ein bisschen Fantasie lassen sich Tradition und Technik elegant vereinen.

Nicht zu vernachlässigen bei den Aussenbeleuchtungselementen ist die Wahl der Lampen und vor allem deren Platzierung. Die Scheinwerfer werden zwangsläufig Teil der Architektur, und daher sollte man sich gut überlegen, wie man sie präsentieren will – oder ob man sie vielleicht eher im Hintergrund verschwinden lassen möchte. Was für eine Schandtat wäre es nämlich, eine prächtige Kirche mit hässlichen Lampen zu entstellen.

Die allgegenwärtige Kostenfrage muss natürlich auch berücksichtigt werden. Mal abgesehen von den ästhetischen Vorstellungen steht die Ökonomie ganz zentral im Raum. Das Konzept muss auch wirtschaftlich klug und nachhaltig sein. Vielleicht ist die Gemeinde «Chrüthölzli» absolut zufrieden mit der Art, wie ihre pittoreske Kapelle im Dunkeln erscheint. Den perfekten Anblick will man keinesfalls ändern und die Lampen aus der Zeit des Kalten Kriegs funktionieren sowieso noch allemal. Doch auch dort wäre eine Erneuerung der technischen Mittel sinnvoll, wenn man bedenkt, dass LED-Lampen bis zu neunzig Prozent weniger Strom verbrauchen als die herkömmlichen Birnen.

Zusammenfassend kann man einhellig sagen, dass die Thematisierung sowohl von Innen- als auch von Aussenbeleuchtung für die Kirche einleuchtend ist. Das Beleuchten der Lichtthematik erhellt wichtige Fragen, lässt aber genaue gesetzliche Vorgaben vorerst im Schatten stehen. Wenn man dabei Technik und Kreativität nicht scheut, geht einem jedoch bestimmt immer ein Licht auf.