«Nehmen Sie Ihre Kinder mit!»

«Der Sonntagsgottesdienst der Gemeinde und der Sakralraum ist ein Lernort des Glaubens. Kinder, die mit ihren Eltern in den Gemeindegottesdienst kommen, sind zunächst einfach Staunende. Die schöne Kirche, die vielen Bilder, die Orgelmusik, das fasziniert sie. Sie sind offen für das, was geschieht, auch wenn es für sie noch geheimnisvoll ist. Das sollte man ihnen nicht vorenthalten. Wenn sie einmal etwas lebendig sind, dann sollen sich die Eltern dadurch nicht stressen lassen. Die Kinder sollen nicht zurückgehalten werden, nein, sie sollen sich auf den Weg machen und das betrachten, was ihnen besonders gefällt. So werden sie ruhig bleiben. Ein kleines Kind, das in der Kirche herumspaziert, stört doch niemanden. Ich kann nur ermutigen, nehmen Sie Ihre Kinder mit, lassen Sie sich nicht abschrecken von jenen, die in ihrer Selbstverliebtheit nur sich und Gott, aber nicht den Mitmenschen und die Kleinen gelten lassen. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Kindern im Gottesdienst gemacht. Ich will sie nicht missen.»

Josef-Michael Karber,
katholischer Pfarrer,
Liebfrauenkirche Zürich

Kinderlärm ist im Gottesdienst eine heikle Erscheinung. Doch mit geeigneten Massnahmen lassen sich Spannungen entschärfen.

Die meisten Mütter und Väter leben nach der Geburt ihres Kindes mit dem Gefühl, ein ganz spezielles Baby zu haben. Diese innige Verbundenheit geht oft mit dem Bedürfnis einher, den Gottesdienst gemeinsam zu besuchen – vor allem an Festtagen wie Weihnachten. Ein Kinderhütedienst ist deshalb kein allseits geschätztes Angebot, denn viele Eltern möchten zusammen mit ihren Kindern in der Kirche sein und überlassen Babys auch nicht gerne anderen. Doch diese traute Familiengemeinschaft hat ihren Preis: Kleinkinder können laut sein und Babys weinen manchmal. Das ärgert vor allem ältere Kirchenbesucher, die sich in «ihrem» Gottesdienst gestört fühlen. Kinderbücher, die beim Kircheneingang bereitliegen, oder Videos auf dem Smartphone der Eltern sind taugliche Hilfsmittel, um Kinder zu beschäftigen und ruhig zu halten. Entscheidend aber ist eine klare Kommunikation der Verantwortlichen schon vor Beginn des Gottesdienstes. Will man gemeinsam mit den Kleinsten feiern, muss an die Toleranz appelliert werden, indem zum Beispiel die Freude an Kindern in den Mittelpunkt gerückt wird. Soll der Gottesdienst ungestört bleiben, muss ein Hütedienst eingerichtet und dieses Angebot auch angenommen werden. Es kommt bei Eltern aber nicht gut an, wenn sie zu Beginn der Feier gebeten werden, sich zurückzuziehen, wenn die Kinder laut werden. Denn dann wird schon jeder Mucks als Aufforderung empfunden, die Kirche sofort zu verlassen.