Seit mehr als 200 Jahren produziert eine kleine Fabrik in Einsiedeln Kerzen. Sie werden auch heute noch von Hand gezogen und gegossen. Leidenschaft und Wissenschaft gehen dabei Hand in Hand.

Vertiefende Einblicke in die Kerzenherstellung erhalten Sie bei der Kerzenfabrik Schnyder in Einsiedeln an der Kornhausstrasse 25. Wer lieber „nur“ die neusten Kerzenkreationen bewundern und kaufen möchte, ist im neuen Detailladen für Privatkunden an der Hauptstrasse in Einsiedeln bestens aufgehoben.

Fabrikation und Büro

Schnyder Kerzen AG
Kornhausstrasse 25
8840 Einsiedeln
Tel. 055 412 21 43
www.schnyder-kerzen.ch

Detailladen

Candle Living AG
Hauptstrasse 79
8840 Einsiedeln
Tel. 055 412 81 08

Früher brachten Talgkerzen aus Rindernierenfett oder Hammeltalg Licht ins Dunkel. Sie rochen ranzig und qualmten. Das Monopol der Produktion edler Wachskerzen lag bei den Klöstern. So gehörte auch das Kloster Einsiedeln zu den bedeutenden Kerzenproduzenten. Dies änderte sich 1798 mit dem Einmarsch französischer Truppen, die das Kloster plünderten und die Mönche aus ihren Werkstätten vertrieben. In die Bresche sprang der Einsiedler Johann Coelestin Birchler, der bereits vorher als  Kunsthandwerker plastische Porträts aus Wachs für eine gut betuchte Kundschaft fertigte und so den Grundstein für die auch heute noch tätige Kerzenfabrik Schnyder legte.

Wissenschaftlich betrachtet

Blicken wir in eine Flamme – aber nicht verträumt, sondern rein wissenschaftlich: Wenn wir den Docht einer Kerze anzünden, bringt die von der Flamme ausgestrahlte Hitze das Wachs zum Schmelzen. Das flüssige Wachs steigt durch die Kapillaranziehung am Docht empor und verdunstet, wenn es das Dochtende erreicht. Dabei werden Kohlenwasserstoffmoleküle freigesetzt. Diese wiederum werden in kleinere Moleküle zerlegt, die chemisch miteinander reagieren. Feste Kohlenstoffpartikel werden durch die heissen Gase und die ausgestrahlte Hitze bis zur Weissglut erhitzt. Dieses Weissglühen ruft das warme gelbliche Licht hervor.

Russfrei gibt es nicht

Da eine Kerzenflamme nicht bewegungslos bleibt und die Verbrennung aller Kohlenstoffteilchen nicht vollständig erfolgt, kommt es immer wieder zum Entweichen einiger unverbrannter Kohlenstoffteilchen als Russpartikel. Eine Kerzenflamme kann daher nicht als russfrei bezeichnet werden. Die Russabgabe wird aber durch optimale Konstruktion der Kerze und funktionsgerechtem Materialeinsatz minimiert. Für russarmes Abbrennen der Kerze ist es zudem günstig, wenn der Docht eine leichte Krümmung aufzeigt und sich das Dochtende am äusseren Rand der Flamme befindet. Dort herrscht die höchste Temperatur, so dass das Dochtende rückstandsfrei verbrennt.

Minutiöse Handarbeit

Kirchenkerzen werden nach den liturgischen Vorschriften mit 55 Prozent Bienenwachs hergestellt. Um die bestmögliche Qualität zu erreichen, werden bei der Einsiedler Kerzenfabrik Schnyder Alter- und Osterkerzen nach wie vor in Handarbeit gefertigt. Diverse Tests mit maschineller Fertigung haben kein zufriedenstellendes Resultat erbracht. Deshalb werden in alter Tradition die Rohlinge dutzende Male übergossen und anschliessend in die gewünschte Länge geschnitten. Der Vorteil dieser Methode: Jede neue Wachsschicht schliesst Sauerstoff mit ein – und dieser gewährleistet einen ruhigen und sicheren Abbrand.

200 Meter Kerze am Stück

Eindrücklicher und deutlich effizienter als das Übergiessen ist hingegen das Ziehen von Kerzen. Bei der Kerzenfabrik Schnyder wird dies mit handwerklichem Geschick auf einer 80-jährigen Kerzenzug-Maschine aus Holz gemacht. Dort überwacht Albert Beeler einen 200 Meter langen weissen Strang. Über Rollen und Umlenkräder wird ein geflochtener Baumwolldocht mehrfach durch ein 70 Grad Celsius heisses Wachsbad und eine beheizte Kalibrierscheibe mit verschieden grossen Löchern gezogen bis der Strang den gewünschten Durchmesser hat. Danach wird der noch warme Strang auf einer Holzspule aufgerollt und anschliessend zu Kerzen abgelängt.

Mit viel handwerklichem Geschick und Leidenschaft für Kerzenkreationen entsteht so die Grundlage für rund vier Dutzend unterschiedliche Kerzentypen bei Schnyder Kerzen. Doch erst mit der Flamme erwacht die Kerze zum Leben: Sie beruhigt das Gemüt, kann wohltuende Düfte verströmen, spendet Trost, glänzt in den Augen Verliebter, schmückt festliche Tafelrunden oder symbolisiert das Ewige Licht.