Freitag, 15 Juni 2018 15:21

Wie viel wissen Christen voneinander? Empfehlung

2,2 Milliarden Christen, die über 300 verschiedenen Glaubensrichtungen angehören, leben auf der Welt. Dennoch ist das Wissen übereinander rudimentär.

Das Christentum hat sich aus dem Judentum entwickelt. Es ist nach Jesus Christus benannt. Jesus bedeutet «Retter», und Christus, oder hebräisch Messias, bedeutet «der Gesalbte». Im Judentum hat man Könige, Propheten und Priester zur Einsetzung in ihr Amt mit Salböl gesalbt. Nach Jesu Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt haben seine zwölf Jünger sowie der Völkerapostel Paulus, aber auch viele andere gläubige Menschen Jesu Lehre in Palästina, in Syrien, Mesopotamien (im heutigen Irak), in Ägypten, aber auch in Kleinasien (in der heutigen Türkei), in Griechenland und in Rom verbreitet. Und im Laufe der Jahrhunderte wurde das Evangelium in aller Welt bekannt. In rund 100 Ländern der Erde leben 2,2 Milliarden Christen. Sie gehören rund 300 verschiedenen Glaubensrichtungen an. Die Hauptrichtungen des Christentums sind die katholische, die orthodoxe, die protestantische Kirche und die anglikanische Kirche. Über die Hälfte aller Christen sind römisch-katholisch. Rund ein Viertel der Christen folgen der Lehre von Martin Luther. Er hat die Kirche im Mittelalter reformiert. Alle Christen zusammen bilden die grösste Religionsgemeinschaft weltweit. Das Wort katholisch ist griechisch und bedeutet «allumfassend». Die katholische Kirche ist die älteste Kirche. Bis zur Trennung der griechischen orthodoxen Kirche im Osten (Konstantinopel) von der lateinischen katholischen Kirche im Westen (Rom) im 11. Jahrhundert war sie auch die einzige Kirche. Im 16. Jahrhundert, wandten sich viele Christen vom Papst ab und gründeten im Zuge der Reformation eine neue christliche Glaubensrichtung, die protestantische oder evangelische Kirche, die sich wiederum in die lutherische und die reformierte Kirche teilte. Aus ihnen gingen wiederum zahlreiche Abspaltungen hervor. Ebenfalls im 16. Jahrhundert entstand in England die anglikanische Kirche.

Die orthodoxen Kirchen

Seit 1054 verstanden sich die Christen des griechischsprachigen römischen Ostreiches (Konstantinopel) sowie die Christen der von dort aus missionierten slawischen Reiche in Osteuropa und Russland als orthodox, das heisst «rechtgläubig». Die orthodoxe Kirche ist nach der katholischen Kirche die zweitgrösste christliche Kirche. Sie umfasst, obwohl mit grossen Gemeinsamkeiten, eine Vielheit von unterschiedlichen nationalen orthodoxen Kirchen wie die griechisch-orthodoxe, die russisch-orthodoxe oder die serbisch-orthodoxe Kirche.

Die katholische Kirche

Die Katholiken haben ein Oberhaupt, den Papst. Katholiken kennen sieben von Gott geheiligte Gaben, Sakramente genannt. Das sind die Taufe, die Eucharistie (Abendmahl), die Firmung, die Beichte, die Krankensalbung, die Eheschliessung und die Priesterweihe. Katholiken tauchen beim Betreten der Kirche die Finger in Weihwasser und bekreuzigen sich. Bei der Beichte spricht der Pfarrer im Namen Gottes die Vergebung aus.

Die protestantischen Kirchen

Protestanten sind evangelische Christen. Ihren Namen verdanken sie der Geschichte ihrer Glaubensrichtung. Sie ist im 16. Jahrhundert aus dem Protest gegen Missstände in der katholischen Kirche entstanden. Den Anstoss zur Reformation gab Martin Luther. Daraus entstand die evangelische Kirche. Evangelisch bedeutet, dass sie sich nicht am Papst orientiert, sondern am Evangelium Jesu Christi wie es in der Bibel überliefert ist. Das lateinische Wort protestari bedeutet aber auch «bezeugen». Folgende Dinge sind typisch für Protestanten: Für Protestanten ist das Evangelium von Jesus Christus ein besonders wichtiger Teil der Bibel. Daher kommt auch ihr Name «evangelische Christen». Protestanten haben kein Oberhaupt wie den Papst. Der Pfarrer ist für Protestanten ein Lehrer. Er darf auch den Segen spenden, Menschen taufen und ihnen das Abendmahl geben. Um die Vergebung ihrer Sünden bitten Protestanten Gott selbst. Protestantische Jugendliche bestätigen bei der Konfirmation ihren Glauben an Gott und an Jesus Christus.

Die anglikanische Kirche

Die anglikanische Kirche ist im 16. Jahrhundert in England entstanden und stimmt in vielen Dingen mit der evangelischen Kirche überein, in manchen aber auch mit der katholischen. Anglikaner haben dasselbe Glaubensbekenntnis wie Katholiken und Protestanten. Auch für sie ist die Bibel, das Alte und das Neue Testament, massgebend, und sie feiern zum Beispiel auch die Taufe und das Abendmahl. Anders als in der katholischen Kirche dürfen in der anglikanischen Kirche in England seit 1993 auch Frauen Priester werden, in Amerika und Kanada sogar schon etwas länger. Auf der ganzen Welt gibt es zurzeit rund 80 Millionen Anglikaner. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt in England, die meisten anderen Anhänger in Ländern, in denen Englisch gesprochen wird. Das Oberhaupt der anglikanischen Kirche ist der Erzbischof von Canterbury.

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