Mittwoch, 13 Dezember 2017 15:30

Wenn die Seele ausbrennt

Von Advent bis Ostern sind Seelsorger und Pfarreibeauftragte besonders viel Stress ausgesetzt. Viele geraten dabei an ihre Grenzen. Im Bistum Basel wurde bereits 2005 eine Fachstelle «Seelsorge für Seelsorgende» geschaffen, um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu stützen.
Hilfe für Seelsorger
Beratungen der Fachstelle «Seelsorge für Seelsorgende» sind für Seelsorger, die im Bistum Basel tätig sind, sowie für ihre Familienangehörigen kostenlos. Betroffene von ausserhalb des Bistums können sich ebenfalls an die Fachstelle wenden – und werden dann kompetent weitergeleitet. Die Mitarbeiter stehen unter der Schweigepflicht. Die Beratungsstelle ist auch in der Prävention aktiv und bietet Dekanaten und Gruppen Seminare zur Burn-out-Prophylaxe an.
Kontakt:
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Werner Bachmann: Tel. 079 812 26 79
Bernhard Schibli: Tel. 079 335 2338
Gabriele Kieser: Tel. 079 476 64 37

Ein Seelsorger, der selber der Seelsorge bedarf? Das ist keine Seltenheit mehr, vor allem nicht in der römisch-katholischen Kirche, wo der Priestermangel bei den priesterlichen Mitarbeitern zu mehr Belastungen führt. Im Bistum Basel wurde eine eigene Fachstelle eingerichtet, die «Seelsorge für Seelsorgende». Bereits 2005 zeigte sich, dass Seelsorger mehr Unterstützung brauchen. Zunächst bot die Fachstelle ihre unentgeltlichen Dienste ausschliesslich Menschen an, die im Bistum Basel seelsorgerisch tätig waren. Mittlerweile finden auch deren Verwandten und andere Hilfe. Eine vergleichbare Fachstelle gibt es nämlich – ausser in St. Gallen – in keinem anderen Bistum. Damit alle Betroffenen das passende Gegenüber finden, arbeiten bei der Fachstelle drei Spezialisten: ein Priester sowie ein weiterer Mann und eine Frau, die in der Seelsorge tätig sind. Seit 2007 gehört Werner Bachmann, Diakon, Theologe, Exerzitienleiter und geistlicher Begleiter dazu. Der Priester im Team ist Bernhard Schibli, der 27 Jahre lang Pfarrer in Aesch BL war. Als Dritte im Bunde wirkt Klinikseelsorgerin Gabriele Kieser. Sie führte während 14 Jahren das Pfarramt für Industrie und Wirtschaft in Basel und wechselte 2013 in die Klinikseelsorge an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel.

Falsche Scham

Die Nachfrage nach den Dienstleistungen der Fachstelle verläuft wellenförmig. Jährlich betreuen die drei Teammitglieder zwischen 20 und 50 Fälle. Genaue Zahlen von ausgebrannten Seelsorgern gibt es nicht – auch, weil sich viele Betroffene nicht melden. Unter Burn-out versteht die Fachstelle ein Überlastungssyndrom. «Man kann nicht mehr schlafen und nicht mehr herunterfahren, bis der Körper aussetzt», erklärt Werner Bachmann.

Wie gestaltet sich die konkrete Hilfe der Fachstelle? «Wir führten sehr persönliche Gespräche, beteten zusammen, sangen», erzählt ein Betroffener. «Mir war es wichtig, alles genau anzuschauen, und ich erhielt viel geistige Nahrung.» Das Spirituelle sei für ihn in jeder Phase ebenso wichtig gewesen wie der psychiatrische Beistand einer Fachperson. «Ich schätzte es, dass ich auf zwei Gleisen fahren konnte, mit Fachstelle und Psychiater.» Viele Seelsorger schämen sich aber, für sich selbst Hilfe zu suchen. Ein Burn-out ist ein überaus vielschichtiges und heikles Phänomen, das spezialisierte Therapeuten fordert. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Fachstelle sehen sich nicht als solche. Werner Bachmann: «Wir sind eher eine Triagestelle, hören zu, besprechen das Vorgehen und leiten die weiteren Schritte ein.» Der Aufwand unterscheidet sich von Fall zu Fall.

Auf verlorenem Posten

Warum sind Seelsorger eigentlich so häufig von Burn-out betroffen, dass eine eigene Fachstelle gerechtfertigt ist? Zum einen ist der Beruf anspruchsvoll: Man mussfastrund um die Uhr zur Verfügung stehen und sich um Menschen in oft schwierigen Lebenssituationen kümmern. «Manche Priester fühlen sich in den heutigen Strukturen einsam und auf verlorenem Posten», sagt Werner Bachmann. «Sie zweifeln, ob sie am richtigen Ort sind.» Auch die Gemeindearbeit ist durch den Mitgliederschwund und durch die Passivität der Mitglieder auf dem Papier anspruchsvoller geworden.

Gibt es denn Methoden, eine Erschöpfung zu vermeiden? «Wichtig ist, dass man nicht nur im Beruf aufgeht, sondern auch einen Bekanntenkreis ausserhalb pflegt», sagt Werner Bachmann. «Als Seelsorger ist meine Person mein Arbeitsinstrument. So, wie der Arzt seine Messer desinfiziert und schärft, muss ich auch meine Person in Schuss halten.» Vieles im Beruf eines Seelsorgers gehe an die Substanz. «Und geht es nicht an die Substanz, will ich nicht mehr Seelsorger sein. Ich will mich berühren lassen.» Umso wichtiger sei aber, dass man zwischendurch auftanke und wisse, wie, wo und bei wem man wieder Kraft holen könne.

Foto: pixabay.com