Dienstag, 06 März 2018 16:18

«Weiss wie das Licht»

Weisser Sonntag, das ist der Sonntag nach Ostern, das sind weiss gewandete Kinder, die zum ersten Mal die Kommunion empfangen. Was so gut zusammenpasst, hat nicht immer zusammengehört. Eine Spurensuche.

Die Bezeichnung «Weisser Sonntag» für den zweiten Sonntag der Osterzeit reicht bis in das christliche Altertum zurück. Damals war es üblich, dass in der Osternacht Erwachsene getauft und gefirmt wurden und zum ersten Mal die heilige Kommunion empfingen. Die Kirche nahm sie also in einem einzigen Gottesdienst am Höhepunkt des Kirchenjahres feierlich in ihre Gemeinschaft auf. Die Neugetauften zogen ein weisses Gewand an, das sie die ganze folgende Woche trugen. In dieser Zeit fand – durch Katechese, Predigt, Gebet und Gottesdienst – eine intensive Nachbereitung dessen statt, was die Neugetauften in der Osternacht erlebt hatten. Am Sonntag darauf feierten sie wiederum Eucharistie mit der Gemeinde. Nun konnten sie das weisse Gewand ablegen. Nicht ablegen sollten sie fortan aber ihr Christsein, für das das weisse Kleid stand. Zur Erinnerung daran erhielt dieser Sonntag den Namen «Weisser Sonntag» (lateinisch dominica in albis, «Sonntag in weissen Kleidern»).

Neu beginnen

Der Mensch ist, was er trägt. Kleider bringen etwas von der Person zum Ausdruck. So dachte man schon in der Antike und in der Bibel. Das leuchtend weisse Gewand – «weiss wie das Licht»–, in dem Jesus den Jüngern auf dem Berg Tabor erscheint, hebt sein göttliches Wesen hervor (Mt 17,2). Auch in der endzeitlichen Vision des Johannes tragen jene, die vor dem göttlichen Thron stehen, ein weisses Gewand (Offb 7,9.14). Sie sind von Christus von ihren Sünden «reingewaschen» und erlöst. Nach biblischem Verständnis ist das neue Kleid Ausdruck eines neuen Menschen. Wer demonstrativ seine alten Kleider ablegt, sie sogar zerreisst (zum Beispiel 2 Kön 22,11), oder wer seine schmutzigen Kleider wäscht (zum Beispiel Ex 19,14), zeigt, dass er gewillt ist, den alten Menschen, begangene Fehler und schlechte Gewohnheiten abzulegen und neu zu beginnen.

Der Apostel Paulus sagt: Wer getauft wird, zieht Christus als Kleid an (Gal 3,27). Die Getauften erhalten eine neue Identität: Das weisse Gewand weist sie als zu Christus gehörig aus, als Kinder des Lichts. Auch heute sieht der katholische Taufritus vor, dass die Neugetauften, Kinder oder Erwachsene, ein weisses Gewand anziehen. An die Taufe erinnern die Ministrantenkleider und die sogenannte Albe, das weisse liturgische Gewand, das von allen getragen wird, die im Gottesdienst eine besondere Aufgabe übernehmen.

Ein weisser Rock

Wie die Ministrantinnen und Ministranten tragen auch die Erstkommunionkinder ein weisses Kleid. Das einheitliche Erstkommunionkleid setzte sich allerdings erst in den 1960er­Jahren durch. Ursprünglich trugen die Erstkommunionkinder dem Anlass entsprechende Festtagskleider, in der Regel dunkle Gewänder, aufgehellt durch Accessoires wie den Blumenkranz im Haar, den weissen Schleier bei den Mädchen, die weisse Armbinde bei den Knaben. Parallel zum Aufkommen des weissen Brautkleids bei der Trauung ersetzte zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei den Erstkommunionmädchen ein weisser Rock das dunkle Gewand.

Junge Entwicklung

Dass Kindern in einem gemeinsamen Gottesdienst zum ersten Mal die Kommunion gespendet wird, ist eine junge Entwicklung in der Geschichte der Kirche. Als sich im Mittelalter die Taufe von Säuglingen durchsetzte, blieb der erste Kommunionempfang zunächst noch mit der Taufe verbunden, während die Firmung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde, da für sie die Anwesenheit des Bischofs als Spender nötig war. Die Kirchen des Ostens begehen heute noch Taufe, Firmung und Erstkommunion in einer einzigen Feier.

Zunehmend wurde aber für den Kommunionempfang persönliche Reife erwartet. Das führte zur Bestimmung des vierten Laterankonzils von 1215, wonach für den Kommunionempfang das Alter der «Unterscheidung» nötig sei. Dieses wurde zunächst auf das siebte, später auf das dreizehnte oder vierzehnte Lebensjahr angesetzt. Es war aber in erster Linie Aufgabe der Eltern oder des Beichtvaters, den richtigen Zeitpunkt für den ersten Kommunionempfang festzulegen und die Kinder darauf vorzubereiten.

Ab dem 17. Jahrhundert förderten vor allem die Jesuiten den Erstkommunionunterricht und die gemeinsame Erstkommunionfeier. Im 19. Jahrhundert fand diese allgemeine Verbreitung. Man bevorzugte als Termin den Weissen Sonntag. Der Feier ging die Katechese in den Schulen voraus. Vielerorts wurde die Erstkommunionfeier bis zum Zeitpunkt der Schulentlassung hinausgeschoben, weil man befürchtete, die Eltern würden ihre Kinder nach der Erstkommunion aus der Schule nehmen. Im Jahr 1910 senkte Papst Pius X. das für den Kommunionempfang erforderliche «Vernunftalter» wieder auf das siebte Lebensjahr und vertraute die Vorbereitung den Eltern an. Die Praxis blieb in den einzelnen Ländern aber unterschiedlich.

Alternative Modelle

Die Erstkommunionfeier am Weissen Sonntag hat sich etabliert, aber sie bereitet auch Sorgen. Das nicht selten mit viel äusserem Aufwand begangene Familienfest erscheint oftmals als isoliertes Ereignis, das nicht zu einem regelmässigen Mitfeiern der Eucharistie hinführt. Die Bedeutung der Erstkommunion als Abschluss des christlichen Initiationsprozesses droht aus dem Blick zu geraten. Alternative Modelle gibt es bereits. So besteht in einzelnen Pfarreien das Angebot, die Kinderin kleineren Gruppen an einem beliebigen Sonntag der Osterzeit im «gewöhnlichen» Pfarreigottesdienst zur Erstkommunion zu führen.

An der Erstkommunionfeier dominiert bei den Kindern die Farbe Weiss. Foto: pixabay.com