Freitag, 15 Juni 2018 15:09

Ruhe und weniger Rauch, bitte! Empfehlung

Auch Kirchgemeindehäuser sind oft Nachbarn, was bei steigenden Temperaturen im Sommer zu Problemen führen kann, wenn draussen grilliert oder gefeiert wird.

Im Nachbarschaftsrecht ist viel mit dem Begriff «übermässig» geregelt. Vor allem bei Lärmbelästigungen – ein Hauptgrund nachbarschaftlicher Kleinkriege – wird der Begriff «übermässig » schnell zum eigentlichen Streitgrund. Artikel 684 des Zivilgesetzbuches legt fest, dass jeder verpflichtet ist, «sich aller übermässigen Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten». Der Hahn, der jeden Morgen den Tagesbeginn ankündigt, ist für die einen ein romantisches Erlebnis, für andere eine Ruhestörung. Gleiches gilt für die Frösche im Biotop und den Papagei Kiki, der sich auf dem Balkon laut bemerkbar macht. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich die Bundesrichter auch mit diesen Fragen auseinandergesetzt haben. So hat Lausanne entschieden, dass es in eher städtisch als ländlich geprägten Wohnquartieren verboten ist, einen Hahn zwischen 20 und 7 Uhr im Freien zu halten. Aber was heisst «eher städtisch»? Mehr Konflikte Zuständig ist bei solchen Auseinandersetzungen die Polizei, die dafür zu sorgen hat, dass die gemeindeeigene Polizeiverordnung eingehalten wird. Sie regelt die Nachtruhe, die in vielen Gemeinden von 22 bis 6 Uhr gilt. Die meisten Verordnungen der Gemeinden bestimmen auch eine Ruhezeit von 12 bis 13 Uhr und an Sonn- und Feiertagen eine ganztägige. Manchmal ist auch geregelt, dass Instrumente nur bis 20 Uhr gespielt werden dürfen. Musizieren gilt als Persönlichkeitsrecht, dennoch setzt die Praxis Schranken. Mehr als drei Stunden pro Tag gelten als übermässige Lärmimmission. Der Polizei ist als erster Anlaufstelle übertragen, abzuklären, ob der Lärm nach objektiven Kriterien übermässig ist. Sie ist heute stärker gefordert, weil das verdichtete Bauen in den Städten zu mehr Konflikten führt. Laut der Präsidentin des Schweizerischen Dachverbandes Mediation, Andrea Staubli, stehen Streitereien unter Nachbarn inzwischen an dritter Stelle – hinter Familienkonflikten und Problemen im Arbeitsverhältnis. Ein Streitpunkt im nachbarschaftlichen Zusammenleben sind Geruchsimmissionen, von Zigaretten oder vom Grill. Viele Raucher zünden sich heute nur noch auf dem Balkon oder vor dem Eingang eine Zigarette an, aus Rücksicht auf Mitbewohner und die Wohnung. Das können Nachbarn nicht verbieten – solange es sich nicht um übermässige Rauchbelästigung handelt. Beim Grillieren ist die Sachlage gegenüber dem Rauchen einfacher. Grillen ist wetterund saisonabhängig und viele Hausordnungen verbieten inzwischen die Verwendung von Holzkohle. Als in einem Zürcher Wohnquartier dichter Rauch aus einem Garten aufstieg, rief eine Nachbarin die Stadtpolizei. Die Streife stellte fest, dass für das Feuer Gartenlaub verwendet wurde, was verboten ist.

Beim Grillieren zählt Achtsamkeit, damit die Toleranz der Nachbarn nicht strapaziert wird. Foto: pixabay.com