Donnerstag, 12 April 2018 11:08

Mit Rucksack, Kompass und ein bisschen Gott

Manchmal kommt der Pfarrer vorbei, und ein bisschen was lernt man schon über die Kirche. Einst aus den katholischen Jünglingsvereinen entstanden und noch heute von den Pfarreien finanziert, haben sich die Jungwacht- und Blauringgruppen inzwischen eine gesunde Eigenständigkeit erarbeitet. Stimmen aus der Jubla Villmergen.

Es regnet, windet, stürmt. Und trotzdem wandern die Kinder mit einem gefüllten Rucksack auf den Schultern, einem Lachen auf den Lippen und voller Motivation den steilen Waldweg hinauf. Das war so bei einem Besuch im diesjährigen Pfingstlager der Jubla Villmergen, das war schon so vor rund 120 Jahren, als in der Schweiz die ersten katholischen «Jünglingsvereinigungen» entstanden. Mit ihnen wurde der Grundstein für die Jungwacht- und Blauring-Scharen gelegt, welche in den 1930er-Jahren zunächst noch unabhängig voneinander gegründet wurden. Ziel waren damals zwei katholische Jugendvereinigungen, die Jungwacht für die Knaben, der Blauring für die Mädchen. Nach den kirchlichen Umbrüchen in den 1970er-Jahren lösten sich dann sowohl die Jungwacht als auch der Blauring von ihren Gründerverbänden und begannen eine engere Zusammenarbeit, bevor sie sich 2009 dann ganz offiziell zusammenschlossen. Heute zählt Jungwacht Blauring, kurz Jubla, in der Schweiz rund 30 000 Mitglieder. Die wöchentlichen Gruppenstunden finden abhängig vom jeweiligen Ortsverein teilweise gemeinsam, teilweise aber auch nach Geschlechtern getrennt statt.

Spielen statt beten

Seit Jahrzehnten führen Jungwacht- und Blauring-Jugendliche in die Natur, in den Wald und in die Kirche. Vor allem aber führt der Verein Jugendliche zusammen. Man will einen Raum bieten, wo sie sich austauschen, kreativ sein und die Natur erleben können. Und auch einen Raum, wo sie «die Kirche mitgestalten» und «Religion und Glauben mit allen Sinnen lebendig werden lassen» können. So steht es zumindest im Leitbild der Jubla. Faktisch haben Kirche und Religion heute in den meisten Scharen nur noch eine sehr untergeordnete Rolle. Zwar wird man finanziell von der Pfarrei unterstützt und tauscht sich regelmässig aus, in den eigentlichen Gruppenstunden und den beliebten Lagern stehen aber unterdessen andere Themen im Fokus. Gebetet wird schon lange nicht mehr – dafür umso mehr gespielt, gebastelt, gewandert. Nichtsdestotrotz kommen viele Kinder und Jugendliche durch die Jubla immer wieder positiv mit der Kirche in Berührung, sei das bei einem Reisesegen in der Kirche, bevor es ins Lager geht, oder durch das Anfertigen der Stechpalmen am Palmsonntag. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Jubla nicht von der katholischen Kirche abgespalten, sondern sich viel mehr eine gesunde Eigenständigkeit erarbeitet. Noch immer orientiert man sich an den christlichen Grundsätzen, jedoch steht der Verein heute allen Konfessionen und Glaubensrichtungen offen. Ein Weg, den man so auch in Zukunft gehen will.

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