Montag, 19 Februar 2018 15:27

Leere Flaschen voller Ideen

Sinnvolle Geschenke
Beim Upcycling werden aus scheinbar nutzlosen Gegenständen neuwertige Produkte hergestellt. Das Besondere dieser Form des Recyclings ist, dass das alte Produkt aufgewertet wird – wie bei «Just Bottle» (www.justbottle.com). Erstmals wurde der Begriff 1994 in der britischen Zeitschrift «Salvo» erwähnt. Darin sagte der Ingenieur Reiner Pilz: «Ich nenne Recycling Downcycling. Sie schlagen Steine kaputt, sie schlagen alles kaputt. Was wir brauchen, ist Upcycling, bei dem alte Produkte einen höheren Wert erhalten, keinen geringeren.» Ein Upcycling-Produkt ist ein ideales Geschenk, da es auch ein klares Statement ist.
Upcycling ist für Maria Vieira Meier eine Lebensphilosophie. Sie spricht mit leeren Flaschen, um herauszufinden, was diese in einem zweiten, besseren Leben werden wollen.

«Das schönste am Upcycling ist, dass das Produkt ein zweites Leben bekommt», sagt Maria Vieira Meier. «Ein noch besseres, hochwertigeres als davor.» Neben ihr steht eine Wasserkaraffe mit geschwungener Öffnung, die sie aus einer gewöhnlichen Glasflasche hergestellt hat. In ihrer Werkstatt werden aus Flaschen ausserdem Käseplatten, Kerzenständer oder Gläser. «Es ist wie bei meinem eigenen Leben», sagt sie. «Ich habe in Lissabon gelebt und gearbeitet. Das war okay. Aber jetzt bin ich in der Schweiz und habe ein zweites Leben, ein noch viel besseres.» Sie gibt ihrem Mann Serge Meier einen Kuss und lächelt.

Nehmen, was schon da ist

Wie passend, dass der 45-jährigen Portugiesin die Idee für ihr Upcycling-Label «Just Bottle» auf der Hochzeitsreise in den USA vor acht Jahren kam. Dort hatte sie eingeschmolzene und neu geformte Flaschen in einem Laden gesehen. «Das kann ich auch», hatte sie ihrem Mann damals gesagt.

Jetzt sitzt sie in ihrem Laden im Zürcher Glattpark, plaudert in flüssigem Deutsch mit Schweizer Sprachfärbung und erzählt, weshalb Upcycling, also das Aufwerten von Abfallprodukten, so perfekt in ihr Leben passt. «Ich habe sechs Geschwister und ich war die Zweitjüngste», erzählt sie. All ihre Klamotten als Kind oder Jugendliche waren mindestens secondhand. In Einkaufszentren, die vollgestopft sind mit Neuware, bekommt sie immer noch regelmässig Kopfschmerzen. Warum nicht einfach nehmen, was sowieso schon da ist? Der Upcycling-Gedanke bestimmte ihr Leben schon lange, bevor er zum Trend wurde.

Dass Upcycling mittlerweile ein Trend ist, spielt ihr in die Hände. «Grosse Ziele hatte ich mit ‹Just Bottle› nicht. Ich wollte immer nur schauen, wohin die Reise führt», sagt sie. Anfangs stellte sie nur flach geschmolzene Flaschen her. Ein Flasche Hochzeitssekt konnte so zum Bilderrahmen für das Hochzeitsfoto werden und als Deko an der Wand hängen. Als ihr Mann Geburtstag hatte, kam die Idee, auf den flachen Flaschen Käse zu servieren. Dann begann das Ausprobieren: Die Flaschen sollten tiefer werden, so wie kleine Schüsseln. Ihre neueste Idee ist ein Vorratsbehälter für Nüsse aus einer Glasflasche mit daraufliegender Holzkugel. «Ich produziere nur, was ich auch selber brauche», sagt sie. «Alles andere könnte ich gar nicht verkaufen, denn ich kann niemanden von etwas Unnützem überzeugen.»

Grosse Nachfrage

Die Flaschen treffen offenbar den Zeitgeist. Nach ersten Bestellungen von Freunden und Bekannten hat sich der Radius von «Just Bottle» recht schnell ausgebreitet. Längst schon kann Maria Vieira Meier nicht mehr alle Produkte selbst herstellen. Sie arbeitet deshalb zum Beispiel mit Projekten zur Arbeitsintegration zusammen.

Neben dem Laden im Zürcher Glattpark ist das Ehepaar auch auf Messen und Weihnachtsmärkten anzutreffen. Sie sind Teil der Upcycling-Community geworden. Die gibt es wirklich, sagt Serge Meier: «Man kennt sich, man hilft sich, man steht eigentlich nicht in Konkurrenz zueinander.»

Maria Vieira Meier macht aus alten Flaschen neue Designobjekte: zum Beispiel Käseplatten. Foto: Eva Mell