Donnerstag, 08 März 2018 10:01

Historische Fassaden unter Druck

Dass Vorbeugen besser ist als heilen, mag eine Binsenwahrheit sein. Gerade aber bei der Pflege von Fassaden und hohen Innenwänden bei historischen oder denkmalgeschützten Gebäuden bewährt sich eine fachgerechte Reinigung, um astronomische «Heilungskosten» zu verhindern.

«Ernst blickten die eisblauen Augen auf ihn herab. Es war ein junges Antlitz, aber doch schon von Wind und Wetter und den Härten des Lebens gezeichnet.» Diese Worte legt Schriftsteller Jack London dem Seewolf in den Mund, um das Gesicht eines Schiffbrüchigen zu beschreiben. Ein Gesicht mag durch die Zeichnung von Wind und Wetter interessanter werden – Hausfassaden aber werden mit den Jahren durch den Einfluss von Regen und Sonne einfach unansehnlich. Moose und Algen wuchern, in den grobporigen Oberflächen sammelt sich hartnäckig haftender Vogelkot und Schmutz von Abgasen. Schwachstellen und kleine Schäden an der Fassade oder der Dämmung nutzen Wespenköniginnen auf der Suche nach neuen Revieren zur Staatsgründung und verschlimmern so die Mängel. Gerade ältere, denkmalgeschützte Gebäude wie zum Beispiel Kirchen bieten den Insekten grosszügig Einlass und Unterschlupf. Deshalb gilt auch für Fassaden und hohe Innenwände: Regelmässiger Unterhalt bewahrt vor grossen Ausgaben und vor teuren, aufwendigen und umständlichen Renovationsarbeiten.

Selber machen oder Hilfe holen?

Reinigungsarbeiten und das Ausbessern kleinerer Schäden an Aussenwänden lassen sich unter Umständen von einem talentierten Laien erledigen – wichtig sind Materialkenntnis und das Wissen um den Zustand des Verputzes. Fast nichts falsch machen kann man bei einem Verputz aus robusten Klinkern, heikel sind Holz, Back- und Sandstein. Wer selbst Hand anlegen will, braucht einen Hochdruckreiniger, wie sie heute in vielen Privathaushalten zu finden sind, die aber auch in Baumärkten ausgeliehen werden können. Der Fachhandel vermietet auch Geräte zum «Druckluftstrahlen mit festem Strahlmittel», der Technik, die landläufig als «Sandstrahlen» bekannt ist, die sich heute aber bei Weitem nicht mehr auf Sand als Strahlmittel beschränkt. Hochofenschlacke, Stahlkügelchen, Glas- und Kunststoffgranulat, gemahlene Nussschalen, Soda, Eiskristalle oder CO₂-Schnee-Pellets können zum Einsatz kommen – je nach Beschaffenheit von Verputz und Fassade.

Es empfiehlt sich, vor dem Einsatz das Gerät an einer unauffälligen Stelle zu testen. Übermässiger Druck – selbst mit Wasser – entfernt nicht nur den Schmutz, sondern den Mörtel gleich mit; dringt zu viel Wasser in das Mauerwerk, freuen sich schädliche Pilze und Algen. Sowieso empfiehlt es sich, bei Unsicherheiten einen Profi beizuziehen, erst recht, wenn sich der Verputz an manchen Stellen schon gelöst hat oder bröckelt – nicht zuletzt, weil Arbeiten an Fassaden oder die Reinigung von hohen Innenwänden ohne die entsprechende Erfahrung und Ausrüstung sehr gefährlichwerden können. Für exponierte Stellen innen und aussen gibt es professionelle Gewerbekletterer; sie helfen, ein teures Einrüsten des Gebäudes zu ersparen. Fachleute haben auch die Übersicht über die verschiedenen Fassadentypen und neue Technologien: Um dem Umweltschutz Rechnung zu tragen, um Wasser und Reinigungsmittel zu sparen, um auch Graffiti beizukommen, werden bekannte Technologien laufend weiterentwickelt und verbessert, sind in der Handhabung aber auch entsprechend anspruchsvoller geworden.

Für historische oder denkmalgeschützte Bauten werden vor allem zwei dieser neuen Verfahren empfohlen. Beim «Torbo»-System der gleichnamigen Firma im nordrhein-westfälischen Borken können Druck, Wasser und Strahlmittel unabhängig voneinander dosiert und so optimal auf die zu behandelnde Oberfläche abgestimmt werden. «Gregomatic» aus dem luzernischen Hitzkirch hingegen arbeitet mit durch Unterdruck verwirbeltem Wasser auf vorbehandelten Flächen und ist vor allem interessant, weil Schmutzwasser abgesaugt wird und sich so in der Wand keine Restfeuchtigkeit sammelt und das kontaminierte Abwasser fachgerecht entsorgt werden kann. Die Geräte beider Hersteller versprechen zwar erstaunlich breite Anwendungsmöglichkeiten, sind aber in der Anschaffung für Private oder kleine Organisationen deutlich zu teuer und leider auch als Mietgeräte nicht aufzutreiben. Verschiedene auf Oberflächenreinigungen spezialisierte Unternehmen verfügen aber über einen ansehnlichen Maschinenpark und die nötige Erfahrung, um die Arbeiten umweltschonend und ohne Gesundheitsgefährdung der Mitarbeitenden anzugehen.

Keine Chance dem Staub

Geschlossene Systeme, die Abwässer, aber auch Staub, Sand und anderen Schmutz auffangen und zum fachgerechten Entsorgen speichern, kommen auch andernorts zum Einsatz. So können in die Jahre gekommene Kirchenbänke restauriert werden, ohne dass ein teurer Transport zu und von der Werkstatt fällig wird. Die STC Umwelt AG aus dem aargauischen Kölliken beispielsweise arbeitet in der Kirche im belüfteten Zelt, wenn sie Bänke auffrischt, um zu verhindern, dass die Restaurierung der Kirchenbänke den Rest der Kirche verstaubt. «Ökologisches Wirtschaften ist heutzutage auch im Reinigungsbereich wichtiger als je zuvor» erklärt Achim Christner, Geschäftsführer der STC.

Ist der Entschluss gefallen, einen Profi für Reinigungsarbeiten beizuziehen, lohnt sich ein wenig Recherche im Internet: Nicht nur für Kirchenbänke gibt es Spezialisten – manche Unternehmen haben sich auf die Entfernung von Graffiti spezialisiert, andere haben viel Erfahrung bei der Reinigung von Stuck und Wandmalereien. Rat und Unterstützung sind also für alle – auch ausgefallene – Reinigungsfragen zu finden.

Spezialisierte Unternehmen kennen für jede Oberfläche die richtige Reinigungsmethode. Foto: stc umwelt ag
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