Mittwoch, 14 März 2018 10:49

Ethisch einkaufen

Essen mit der Jugendgruppe oder dem Pfarreirat: Wenn die Gemeindeleitung für Fleisch lieber wenig zahlt, geht sie zum Discounter. Aber welcher Preis ist der tatsächliche?

Welche Kosten müssen einberechnet werden, damit man den tatsächlichen Preis eines Lebensmittels beisammenhat? Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat auf diese Fragen eine eindrückliche Zahl als Antwort. Sie hat nämlich berechnet, welche Kosten bei der Herstellung von konventionellen Lebensmitteln (nicht biologisch produzierte) nicht gedeckt sind. Laut der FAO sind jährlich 2100 Milliarden US-Dollar an Kosten für Umweltschäden sowie 2700 Milliarden US-Dollar an sozialen Mehrkosten nicht abgedeckt. Doch wie kommen diese enormen Summen zusammen? In diesen Zahlen einberechnet ist zum Beispiel der Preis für die durch Monokulturen übernutzten Böden, die Verschmutzung von Gewässern durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel, das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, die Klimaveränderungen wegen des Einsatzes von fossilen Brennstoffen, das Leiden von Tieren in Tierfabriken und die nicht gedeckten Löhne, die eigentlich erwirtschaftet werden müssten, damit alle Bauern von ihrer Arbeit leben könnten. Weil diese Aufwendungen nicht auf die Konsumenten abgewälzt oder nach dem Verursacherprinzip verteilt werden, ist es möglich, die Lebensmittelkosten tief zu halten. So gibt heute ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt jährlich 6,8 Prozent des Budgets für Lebensmittel aus sowie 4,7 für Konsumationen in Restaurants und Take-aways; 1960 waren es noch etwa 30 Prozent.

77 Tage leben, statt 42 Tage

Was bedeutet das zum Beispiel für den Preis eines Poulets? Aldi, Denner, Migros, Coop und Co. gehören mit ihren Preisen zu denjenigen, die in der Kette vom Mastbetrieb bis zur Theke in Kauf nehmen, dass ungedeckte Kosten entstehen. Dafür können sie das Fleisch zu einem Preis anbieten, den viele Kunden zu zahlen bereit sind. Der Metzger, der für ein Poulet immerhin 14 Franken verlangt, schlägt offenbar noch Beträge darauf, die die Discounter einsparen können oder wollen. Wenige Konsumenten sind bereit, für ein Kilogramm Biopoulet 22,50 Franken zu zahlen. Wer es aber tut, hat mit diesem Preis laut den Produzenten die allermeisten Kosten gedeckt, die bei der Zucht von einem Kilogramm Huhn entstehen. Ein Bio-Huhn lebt 70 bis 77 Tage und damit länger als ein Masthuhn, das bereits nach höchstens 42 Tagen geschlachtet wird. 35 Tage länger leben bedeutet auch mehr fressen, zudem ist Biofutter teurer als konventionelles.

Fleischauslage: Was verführerisch wirkt, ist oft konventionell produziert und deshalb ethisch gesehen problematisch. Foto: pixabay.com.