Donnerstag, 12 April 2018 11:19

Die Suisa hört mit

Die Suisa erteilt für jegliche Aufführung von Musik eine Lizenz und verteilt die Einnahmen anschliessend an die Berechtigten. Auch für das Public Viewing der Fussballweltmeisterschaft 2018 benötigen Veranstalter eine Lizenz. Was man dabei wissen muss.
Die Genossenschaft Suisa
Die Suisa ist die Genossenschaft der Urheber und Verleger von Musik. Über 36 000 Komponisten, Textautoren und Musikverleger sind in der 1923 gegründeten Genossenschaft organisiert. Die Suisa zieht für sie Urheberrechtsentschädigungen ein, wenn jemand in der Schweiz und in Liechtenstein ihre Musik öffentlich nutzt. Dank Verträgen mit über 100 Schwestergesellschaften in aller Welt nimmt sie die Rechte von insgesamt zwei Millionen Rechteinhabern wahr. In Zürich, Lausanne und Lugano arbeiten rund 200 Menschen für die Suisa. 2017 hat die Suisa zusammen mit der US-amerikanischen Musikorganisation Sesac das Joint Venture Mint Digital Services gegründet. Das Unternehmen verantwortet die Abrechnung und Administration des länderübergreifenden Musik-Lizenzierungsgeschäfts von Sesac, deren Tochterfirma Harry Fox Agency und der Suisa mit Online-Anbietern und bietet ihre Dienstleistungen auch Verlagen an. Die Suisa vertritt die sogenannten kleinen Rechte. Zu diesen gehören nicht-theatralische Musikwerke, Konzertfassungen theatralischer Werke und Musikwerke in Kino- und Fernsehfilmen. Sie erteilt ihren Kunden, darunter Konzertveranstalter, Plattenproduzenten, Radio- und Fernsehstationen, die Lizenz, damit diese Musik aufführen, senden, weiterverbreiten und vervielfältigen dürfen. Grosse Rechte wie Opern oder Musicals vertritt die Société Suisse des Auteurs (SSA).

Für die Aufführung von Musik durch Kirchgemeinden, Gemeinschaften zur Abhaltung von Gottesdiensten, kirchenmusikalische Vereinigungen und Vereine, die unter kirchlicher Leitung stehen, erteilt die Suisa eine Lizenz. Filmvorführungen durch Kirchen oder andere religiöse Gemeinschaften benötigen ebenfalls eine Lizenz. Und wenn sich an Veranstaltungen Gäste einfinden, um Musik zu hören, ist auch diese Musik lizenzpflichtig. Gemäss dem Urheberrechtsgesetz ist jedes musikalische Werk mit individuellem Charakter automatisch geschützt. Das Urheberrechtsgesetz (URG) von 1992 bildet die Grundlage für den Schutz von Werken der Literatur und der Kunst. Die Suisa nimmt als Genossenschaft treuhänderisch die Urheberrechte der Komponisten, Textautoren und Musikverleger wahr. Sie sorgt für das Inkasso der Urheberrechtsentschädigungen und verteilt die Einnahmen als Tantiemen an die Berechtigten. Wer Musik veröffentlicht, vervielfältigt, aufführt, sendet oder sonst wie verbreitet, wer Konzerte veranstaltet, wird automatisch Kunde von Suisa. Was viele nicht wissen: Gemeinsames Fussballspielschauen im Gemeindesaal benötigt ebenfalls eine Lizenz. Viele Kirchgemeinden bieten während der Fussballweltmeisterschaft ein Public Viewing an, ohne zu wissen, dass die Suisa zur Kasse bittet.

Die Entschädigung liegt bei 10,6 Rappen pro Mitglied und Jahr für schweizerische Kirchenverbände. Für die Kirchgemeinden gilt ein abgestufter Ansatz: Bis 500 Mitglieder 74,76 Franken pro Jahr, bis 1000 Mitglieder 130,83 Franken, bis 2000 Mitglieder 261,66 Franken. Diese Tarifstruktur gilt seit dem 1. Januar 2018 bis Ende 2022. Finden Vorführungen ohne Lizenz statt, verdoppelt sich der Ansatz aufgrund der Rechtsverletzung. Bis zum 15. Januar jeden Jahres muss die Kirche der Suisa die Verzeichnisse der im Vorjahr verwendeten Musik zustellen. Die Kirche muss deshalb ihre Kirchenchöre und Organisten verpflichten, Verzeichnisse der verwendeten Musik zu führen. Erfolgt die Zustellung dieser Verzeichnisse nicht fristgerecht, kann die Suisa eine Busse von 45 Franken pro Musikveranstaltung oder 150 Franken für das Gesamtjahr erheben. Im Wiederholungsfall wird dieser Betrag verdoppelt.

Grosses Foto: Wenn die Jugendband der Gemeinde rockt, will die Suisa ein Verzeichnis der gespielten Titel. Copyrights: Pixabay