Freitag, 15 Dezember 2017 08:18

Dialog als Mittel zum Aufbau

Weihnachten ist mit Ostern und Pfingsten eines der drei Hauptfeste des Kirchenjahres. Wie die Auferstehung an Ostern und die Entsendung des Heiligen Geistes an Pfingsten wird das Fest von Jesu Christi Geburt kontrovers gesehen. Das erfordert Dialog.

Kaum ein Tag vergeht, an dem Papst Franziskus nicht seine Bereitschaft zum Dialog verdeutlicht. Also zum vorurteilslosen Gedankenaustausch innerhalb der katholischen Kirche, aber ebenso mit den anderen christlichen Kirchen und Religionen. Die Offenheit dieses Pontifex auch zum Dialog mit den Nichtglaubenden ist nun das Thema einer gescheiten Analyse von Enzo Bianchi, dem hoch angesehenen Prior der mönchischen Gemeinschaft von Bose (Piemont).

Viele seien überrascht, schreibt Bianchi in einem Artikel in der Tageszeitung Avvenire, über die Intensität dieser Auseinandersetzung mit den «religionsfernen Laien». Bianchi unterscheidet dabei verschiedene Gruppen von Laien: Da gibt es jene, die zwar die Person Jesus Christus schätzen, aber die Kirche und ihre moralischen Botschaften kritisieren. Ferner jene, die antiklerikal sind, jedoch heimlich mit Neid auf die jahrtausendealte Institution Kirche blicken. Und schliesslich jene, die «Salon-Linken», denen Franziskus nur wegen seiner Haltung zu Themen wie Arbeit, soziale Ungleichheit, Ausbeutung der Armen sympathisch ist. Ihnen allen begegnet der Bergoglio-Papst, indem er von der Forderung ausgeht: «Respekt und Liebe für die Gegner.» Franziskus erinnert jeden Tag daran, dass Dialog der richtige menschliche Weg ist, um gemeinsam etwas Positives zu schaffen. Der Dialog, so der Autor, muss praktiziert werden als Mittel zum Aufbau einer Welt, die «an die Gewalt des Wortes glaubt, das Wort der Gewalt hingegen ablehnt».

In diesem Zusammenhang entdeckt Bianchi freilich merkwürdige Widersprüche. Einerseits nämlich missfällt der «Dialog-Stil» dieses Papstes in den konservativen Bereichen der Kirche. Andererseits fällt auf, dass die Nichtglaubenden zwar zum Gespräch über philosophische oder sogar spirituelle Themen bereit sind, dass sie aber auf etliche von Franziskus angesprochene Themen nicht eingehen.

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