Donnerstag, 14 Dezember 2017 08:55

Der besondere Glockenklang

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Olivier Jordi ist der letzte Glöckner im Berner Jura. «Meine Tätigkeit kennt keine Routine. Ich sehe in ihr vielmehr die Möglichkeit, meine religiösen Überzeugungen und mein Leben als Kirchenmitglied voll auszuleben», sagt der führt der 47-jährige Familienvater. «Der Moment, in welchem ich die beiden Bronzeglocken der Kirche von Vauffelin in Gang setze, ergibt sich aus einem starken emotionalen Empfinden.» Die Glocken läuten zehn Minuten. Während dieser Zeit verwandelt sich Olivier Jordi in einen stummen Dirigenten, der mit den Bewegungen eines Langläufers die Glocken in Schwung hält. «Wichtig ist es, dass bis zum Schluss der gleiche Rhythmus eingehalten wird.» Ich muss mich bemühen, dieses Musikstück ohne Fehl und Tadel zu spielen. Wenn ich müde oder nervös bin, dann muss ich meine Konzentration verdoppeln.»

Die Kirche stammt aus dem 18. Jahrhundert. Als Erstes steigt man eine sehr steile Treppe in den Estrich hinauf. Es folgt eine weitere Serie von Treppenstufen zur Plattform, von der man zum Glockenraum gelangt. Zwei- bis dreimal im Monat steigt er auf den Turm, um die Glocken läuten zu lassen. Dies ist jeweils bei Gottesdiensten der Fall, aber auch bei Beerdigungen und seltener bei Trauungen, denn in der Kirche wird pro Jahr nicht mehr als zwei Mal geheiratet.

Olivier Jordi, der als Grafiker arbeitet, betont, dass er von Jugend an in der Kirchgemeinde Rondchâtel, zu der Vauffelin gehört, tätig ist. Er legte Hand an, wo es nötig war. Als man dem ehemaligen Glöckner von Rondchâtel vorschlug, mit 70 in Pension zu gehen, übernahmen Verwandte diese Aufgabe. 2015 wandte sich die Kirchgemeinde an Jordi. Er sagte zu, und seit April 2015 ist er der offizielle Glöckner der Gemeinde. Mit gemischten Gefühlen blickt er auf das Gemeindeleben. Die Gottesdienste würden nur noch von höchstens 20 Gläubigen besucht, die meisten davon seien schon betagt.