Mittwoch, 31 Mai 2017 17:44

In Kirchengremien fällt oft und rasch das Urteil, das sei aber nicht christlich. Aber was ist christlich? Wir schauen nach Deutschland und lassen zur Inspiration Prominente antworten.

«Christlich ist es, sich von christlichen Werten wie Nächstenliebe leiten zu lassen – auch gerade im Umgang mit Menschen, die keine Christen sind.»

Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender Daimler AG

«Radikale Liebe zu Christus heisst radikale Liebe zur Welt. Es heisst öffentliche Einmischung da, wo die Schwachen ignoriert oder mit Füssen getreten werden. Wer fromm ist, muss auch politisch sein. Christlich sein heute, das bedeutet, aus der Zuversicht zu leben. Fest darauf zu vertrauen, dass Gewalt und Unrecht nicht das letzte Wort haben.»

Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

«Der Schatz der Kirche sind nicht die Kirchensteuerzahler, sondern die, die von Herzen geben.»

Gerhard Polt, Kabarettist

«Luther macht die Bibel zum Massstab. Dort sagt Jesus: „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. „Wer Fremde beherbergt, sich der Menschen auf der Flucht erbarmt, steht in der Nachfolge Jesu von Nazareth. Nicht Pegida verteidigt das vermeintlich christliche Abendland, sondern Menschen in all den Gemeinden, die für Geflüchtete einstehen, verteidigen christliche Werte!»

Margot Kässmann, Reformationsbotschafterin

«Hospital kommt von Gastfreundschaft. Und Charité nicht von Shareholder. Mitgefühl und Solidarität sind der Kern abendländischer Medizin. (...) Ja, wir werden alle eines Tages sterben. Aber an allen anderen Tagen eben nicht!»

Echart von Hirschhausen, Kabarettist

«Sich dem Leben stellen der von Gott anvertrauten Verantwortung! Das eigene Leben teilen, andere sehen, fühlen, achten, lieben! Etwas bewegen für die, die es selber nicht können und schaffen! Gutes tun und fröhlich jeden Tag wieder neu Christin werden.»

Andrea Nahles, Bundesarbeitsministerin

«Wie hohl und kalt wären unsere stolzen Kathedralen ohne Mitgefühl. Unser christliches Bekenntnis wäre seit 2000 Jahren vergessen, hätte Jesus in der Kernfrage der Barmherzigkeit Unterschiede akzeptiert.»

Ursula von der Leyen, bundesdeutsche Verteidigungsministerin

«Wir Christen haben den Mut, unser Versagen einzugestehen. Dies darf nicht zu einer neuen Selbstgefälligkeit führen. Wir brauchen in dieser zerschundenen Welt Offenheit, um tiefe Wunden zu heilen, vor allem durch Aufrichtigkeit, Solidarität und Barmherzigkeit.»

Karl Lehmann, Kardinal

«Christ zu sein bedeutet für mich, an Gott zu glauben, an die Auferstehung und an die versöhnende Botschaft des Neuen Testaments, verkörpert durch Jesus Christus. In der Welt von heute bedeutet Christ sein für mich auch, in die Welt zu gehen, in der Welt zu bestehen und in der Welt zu handeln – in Verantwortung und Demut vor Gott.»

Thomas de Maizière, Bundesinnenminister

«Die grosse Zeit des Christentums liegt nicht hinter uns. Sie liegt noch vor uns. Das Evangelium ist für Deutschland und Europa noch lange nicht „ausgereizt“.»

Reinhard Marx, Kardinal, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK)

Quelle: «Die Zeit» vom 27. Oktober 2016, Glauben & Zweifeln, «Was ist heute christlich?»
Fotos: Wikimedia