Donnerstag, 12 April 2018 11:03

Bienen mögen einheimische Kost

Bienen sind Tanzfüdli – um Artgenossinnen den Weg zu einer Futterstelle zu weisen, vollführen sie komplexe Bewegungsmuster. Was Kirchgemeinden tun können, um den bedrohten Nützlingen zum Tanz aufzuspielen.

Erika im Frühling, Borretsch im Sommer, Sonnenbraut und Bartblume im Herbst bringen Bienenhüften in Schwung: Liegt eine Futterquelle weniger als 100 Meter vom Bienenstock entfernt, tanzen die Kundschafterinnen den «Rundtanz». Für grössere Entfernungen enthält der «Schwänzeltanz» auch Informationen über Distanz, Richtung und Ergiebigkeit der Quelle. Leider aber haben unsere Bienen immer weniger Grund, das Tanzbein zu schwingen. Gepflegter Rasen, wie wir Menschen ihn schätzen, ist für Bienen und Hummeln eine unergiebige Wüste. Der Pollen exotischer Zierpflanzen schmeckt ihnen nicht so recht – der Schweizer Familiengärtner-Verband stuft deshalb den Nutzen von Geranie, Begonie und Tagetes für Wildund Honigbienen als gering ein. Dabei haben die kleinen Produzentinnen schon genug Probleme: Die in der konventionellen Landwirtschaft, aber auch in vielen Privat- und Familiengärten verwendeten Insektizide unterscheiden nicht zwischen Nützlingen und Schädlingen. Zum Chemikaliencocktail kommen aus der Luft und dem Wasser weitere Gifte hinzu, die kombiniert viel gravierendere Wirkungen haben. Effekte aus der Überzüchtung, der Klimawandel, Monokulturen und eine blutrünstige Milbe – die Varroa destructor – geben den Leidgeplagten den Rest. Höchste Zeit also, den fleissigen Arbeiterinnen dieses Jahr die Tafel reich zu decken. Denn schliesslich würde ein Aussterben der Bienen uns Menschen über kurz oder lang mit ins Verderben ziehen: Die Biene ist das wichtigste Nutztier der Menschheit. Das liegt an ihrer Bestäubungsleistung: 70 Prozent der 124 wichtigsten Nutzpflanzen weltweit sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Bienen bestäuben fast alle Obstbäume, Gemüse wie Spargel und Gurken, viele Bohnenarten, Erdbeeren, einige Nüsse und Mandeln, Raps, viele Gewürzpflanzen, Kräuter und Kaffee. In der Schweiz leben über 500 verschiedene Wildbienenarten – knapp die Hälfte davon ist aber bedroht. Da Gemüse vor der Blüte geerntet wird, sind Nutzgärten keine guten Bienenweiden. Kirchengrundstücke beherbergen in der Regel aber Ziergärten – eine gute Gelegenheit für Kirchgemeinden, die «Wunder der Schöpfung» ganz konkret zu bewahren. Neben der Auswahl geeigneter Pflanzen raten die Familiengärtner zu gepflegter Unordnung im Garten: Morsches Holz, leere Schneckenhäuser und hohle Pflanzenstängel sind ideale Nistplätze für Wildbienen. Die Nisthilfen sollten nicht direkt am Boden platziert sein und nach Bezug nicht mehr gesäubert werden. Das besorgen die Bienen schon selbst – und bedanken sich für die Gastfreundschaft mit einem lüpfigen Tanz.

Grosses Bild: Pixabay