Dienstag, 02 Mai 2017 14:16

Alles fliesst – gerne sauber

Die Schweiz hat im Gewässerschutz grosse Fortschritte gemacht. Jetzt gilt es, Lücken zu schliessen und Schwachstellen auszubessern, auch auf dem Gemeindeareal.

Die Schweiz speichert auf knapp vier Promille der Fläche Europas gut sechs Prozent der Süsswasservorräte des Kontinents. Unser Land zählt über 1500 Seen, Flüsse und andere Gewässer, aus dem Gotthardgebiet fliesst Wasser in die Nordsee, das Mittelmeer und ins Schwarze Meer – zu Recht gilt die Schweiz deshalb als Wasserschloss. Sauberes Wasser ist eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen; mit grossem Reichtum kommt aber auch grosse Verantwortung, welcher sich die öffentliche Hand gestellt hat: Grosse Investitionen im Bereich der öffentlichen Kanalisation haben in den vergangenen Jahren zu einer erheblichen Verbesserung des Gewässerschutzes beigetragen. Zu wenig Beachtung aber wurde der Grundstückentwässerung privater Anlagen geschenkt; viele dieser Anlagen seien in einem schlechten Zustand, stellt der Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) fest, weil bei Behörden und Gemeinden das Fachwissen fehle, die Grundstückentwässerung nachhaltig zu organisieren und situationsgerecht zuvollziehen. Nicht nur in die Jahre gekommene Anlagen seien davon betroffen, auch Leitungen aus neuerer Zeit wiesen Mängel auf; über Leckstellen könne Grundwasser eindringen oder Schmutzwasser austreten, häufig seien auch Fehlanschlüsse im Trennsystem oder mangelhaft ausgeführte Versickerungsanlagen. Die gesamte Abwasserentsorgung aber ist eine technische Einheit aus öffentlichen und privaten Anlagen, die Wirkungsweise des Gesamtsystems nur so gut wie ihr schwächstes Glied. Der VSA hält strukturelle Massnahmen für den Bereich der Grundstückentwässerung deshalb für dringend notwendig. Was aber heisst das für die Anlagebetreiber?

Ein Fachmann muss her

Die gesetzlichen Vorgaben übertragen dem Inhaber die Verantwortung für Erstellung, Unterhalt und Betrieb von funktionstüchtigen Anlagen für die Abwasserentsorgung, inklusive allfälliger Pump-, Versickerungs- und Retentionsanlagen, er haftet also auch für Schäden, die aus einer unsorgfältigen Ausführung entstehen. Weil Architekten und Bauunternehmern vielfach das nötige Fachwissen fehlt, empfiehlt der VSA in jedem Fall, Hilfe bei der Gemeinde zu holen und kompetente, unabhängige Fachleute beizuziehen. Gemeinden (und Kantonen) macht der VSA hingegen verschiedene Vorschläge zur Organisation und zum Betrieb einer «Fachstelle Grundstückentwässerung» – bleibt zu hoffen, dass diese Vorschläge bald umgesetzt werden, damit Anlageinhaber bei Renovationen oder Neubauten bei den Gemeinden die versprochene Hilfe finden.

Grundstückentwässerung ist eine verwickelte Sache – der Fachmann kennt die richtigen Anschlüsse. Foto: pixabay.com