Kirchenereignisse wie Himmelfahrt und Pfingsten haben mehr mit unserem Alltag
zu tun, als prima vista erscheint. Ihr Kerngehalt muss jedoch mit dem Hier und Jetzt
gekoppelt werden.

Optimiere dein Leben durch Achtsamkeit», so der Untertitel des Bestsellers «Search Inside Yourself». Autor ist Chade-Meng Tan, der als Ingenieur bei Google Kurse für achtsamkeitsbasierte emotionale Intelligenz entwickelte. Sein Programm für persönliches Wachstum ist heute weltberühmt und wird auch in Schweizer Unternehmen den Angestellten angeboten. Es geht dabei um den Umgang mit sich, mit andern, um das Verflochtensein mit der Menschheit, um das Gewahrsein im Jetzt, aber auch um liebende Güte, um dieMachtdesMitgefühls,umGleichmut. Erreichbar sind diese Ziele mit einer Aufmerksamkeitsschulung und Selbsterkenntnis. Die Technik dafür ist erstaunlich einfach, sie beginnt mit einem ruhigen Ein- und Ausatmen. Dieses meditative Verharren ist eine Schulung des Geistes; wodurch sich Ruhe, Klarheit und auch Glück im Körper verbreiten. Viele sehen darin die Grundeinstellung des Menschen. Nun die Brücke zu Pfingsten: Die versammelten Jünger sind tief verunsichert. Da möchte man ihnen zurufen: «Halt, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir!» Und so kommt es auch, ein Ereignis – beschrieben als Brausen und Zungen wie von Feuer – eröffnet in ihnen den Himmel und die damit verbundene Zuversicht und Kraft.

Der Mutbringer
Der Heilige Geist wird im Johannesevangelium Paraklet, Beistand, genannt. Das griechische Parakalein bedeutet herbeirufen, um Hilfe rufen. Martin Luther hat Paraklet mit Tröster übersetzt und Fridolin Stier mit Mutbringer. Der Heilige Geist ermutigt somit zum Leben und zum Lebensfeuer. In der Achtsamkeitsbewegung wird das im ruhigen Atmen gefunden. Der katholische Pfarrer und Psychotherapeut Jürgen Heinen hat Erklärungen, warum das so ist: «Wenn der Mensch einatmet, hat er teil am Spiritus Sanctus. Wenn der Mensch in ein ruhiges Atmen kommt, beruhigt sich der ganze Körper. In den verschiedenen Religionen wird tradiert, dass der Mensch bei der achtsamen Atmung etwas von der grossen, göttlichen Lebensfülle aufnimmt und tief in diese Fülle eintaucht.» Wenn der Mensch das wahrnehme, spüre er die Verbundenheit mit allem Lebendigen. Für viele ist das
der Heilige Geist. Der Begriff Pfingsten – Das christliche Pfingstereignis fand am jüdischen Fest Schawuot statt. Dieses Fest feiert die Offenbarung der Tora an das Volk Israel und gehört zu den Hauptfesten des Judentums. Laut jüdischer Tradition erhielt Israel über Mose nicht nur die schriftliche Tora, sondern auch deren mündlich überlieferte Auslegung, die die schriftliche Tora jeweils aktualisiert. Schawuot bedeutet Wochen und weist mit diesem Namen auf die mit dem 50. Tag vollendeten sieben Wochen nach dem Pessach-Fest hin. Bereits aus dieser Tradition stammt der griechische Name pentekoste, aus dem der deutsche Begriff Pfingsten hervorgegangen ist.