• Mit dem Schulbeginn kommen neue Kinder in besonderen Kontakt mit der Kirche, und mit ihnen ihre Eltern. Das kann für die Kinder lebensprägend sein, was aber auch vom Selbstverständnis der Gemeinde abhängt.
  • Heute lassen sich die Pfarreien in zwei Typen einteilen: als Organisation oder als Gemeinwesen. Beim Verständnis als Organisation wird die Pfarrei zum kirchlichen Unternehmen, das als Ortskirche in grosser Selbstständigkeit wirkt. Die Pfarrei bietet ein bedürfnisorientiertes Angebot, um möglichst viele Mitglieder zu aktivieren. Das Personal wird auf die aktivierungsbedürftige Klientel ausgerichtet. Im Gegenzug wird eine religiöse und soziale Ansprechbarkeit erwartet. Die Teilnahme am Angebot wird honoriert – mit Freundlichkeit, Wohlwollen und Einbindung – und früher oder später auch mit der Bitte um Mitarbeit. Das reiche Angebot für verschiedene Zielgruppen trägt zum Eindruck einer aktiven Gemeinde bei. Das Pfarreileben wird zu einem Teil der Freizeitgestaltung und tritt in Konkurrenz zum Fussballspiel oder Kinoabend. Die Leitung einer solchen Gemeinde (Pfarrer oder Pfarreibeauftragter) wird durch Unterhierarchien ergänzt, bleibt aber als Anbieterin des Angebots Machtzentrum. Kann eine solche Gemeinde eine eigene Geschichte entwickeln? Oder überwiegt die Gefahr von künstlich produzierter Dynamik, von konsumorientiertem Aktivismus ohne Seele?

  Delegation und Mitverantwortung

  • Die Pfarrei als Gemeinwesen versteht sich demgegenüber als Basiskirche, als eine kirchlich orientierte Grossgruppe. Sie begreift ihr Dasein als einen gesellschaftlichen Prozess und übernimmt gerne eine Orts- oder Quartierbezeichnung. Sie ist Gemeinwesen und versteht sich als Teil des kommunalen Gemeinwesens. Das setzt Delegation und Mitverantwortung voraus. Nicht mehr ein innerer Kreis um die Gemeindeleitung entscheidet alles, sondern die Entscheidungen sind verteilt auf mehrere Kompetenzzentren.
  • Ziel einer solche Gemeinde ist es, einen gemeinsamen Lebensraum zu schaffen, miteinander ein Stück Gesellschaft aufzubauen und nicht einfach religiöse Bedürfnisse in vielfältiger Aktivität zu befriedigen. Hier ist die Pfarreiarbeit nicht einfach Freizeitbetrieb und religiöse Bedürfnisbefriedigung, sondern gesamtgesellschaftliches Handeln. Die Basisinteressen werden durch Basisgruppen getragen, die Gemeinde wird zur Summe dieser Basisgruppen.
  • Top-down oder Bottom-up: Hand in Hand profitiert die ganze Gemeinde. Foto: pixabay.com