Bei einem Glas Wein mit dem Pfarrer über Gott, die Amtskirche und den Tod diskutieren? Bei einem Spaziergang-Gottesdienst für Hunde Hundehalter für die Kirche begeistern? Kirchliche Angestellte warten mit innovativen Projekten mit neuen Ideen auf – «Chance Kirchenberufe» will diese Veränderungen bekannter machen und Interesse wecken für eine Tätigkeit bei den Landeskirchen.

Die Landeskirchen haben Nachwuchssorgen. Die Katholiken versuchen nun, mit neuen theologischen Bildungsgängen und Berufsbildern dem Priestermangel entgegenzuwirken. Reicht das, um langfristig eine neue Rolle als Minderheitskirche in einem multireligiösen gesellschaftlichen Umfeld zu finden? «Die Menschen verlangen nicht mehr unbedingt nach den klassischen Sakramenten, sondern wünschen sich einfach eine menschliche Lebensbegleitung», erklärt Pfarrer Daniel Fischler aus Arlesheim und führt aus: «Im Zentrum stehen Menschen – nicht überkommene Rollen.» Diese Veränderungen bemüht sich das Projekt «Chance Kirchenberufe» zu dokumentieren – und die modernen Berufsbilder kirchlicher Tätigkeiten Interessierten zukommen zu lassen. Die erste, vierjährige Projektphase wurde letztes Jahr abgeschlossen und einhellig als Erfolg bezeichnet – allerdings nicht als Erfolg, auf dem man sich ausruhen könne. Für die nächste Phase werden deshalb die Dienstleistungen der Beratungsstelle «Information kirchliche Berufe» und die Öffentlichkeitsarbeit des bisherigen Projekts zusammengeführt, um individuelle Beratung, aber auch Sensibilisierung und Öffentlichkeitsarbeit unter einem Dach zu vereinen.

Von der Theorie zur Praxis

Besonderes Augenmerk richtet das Projekt auf die Jugend: Thomas Leist fährt mit seinem «Chancenmobil» auf die Pausenplätze von Schulhäusern in der ganzen Deutschschweiz und sucht das Gespräch, verteilt Informationsmaterialien und vergibt auch mal Kinotickets bei einem kleinen Wettbewerb. 2016 waren die Jugendlichen in einer grossen Umfrage aufgefordert worden, ihre Wünsche an die Kirche zu formulieren. 600 Kids haben mitgemacht und in teilweise sehr persönlichen Statements ihre Vorstellungen formuliert; die Kirche müsse sich öffnen für alle Menschen und Lebensformen, war ein häufiges Anliegen, aber auch, dass im Gottesdienst neue, modernere Wege gefunden werden müssten. Inwiefern im Arbeitsalltag diese Anliegen schon umgesetzt sind, können junge Menschen in der Berufswahl gleich selbst überprüfen: 20 gestandene Berufsleute, vom Diakon über die Kirchenmusikerin bis zum Sakristan, stellen sich und ihre Tätigkeit auf der Seite www.chance-kirchenberufe.ch vor und können bei Fragen direkt via Mail kontaktiert werden. Schnupperangebote von einem Tag bis zu einer Woche werden für verschiedene Bereiche angeboten – darunter auch zwei Probetage im Priesterseminar Luzern, welche Interessenten unkompliziert und direkt mit den Berufsleuten vereinbaren können.