Verschiedene Untersuchungen entlarven Kerzen als Produzenten von gefährlichen Feinstaub. Die Gefahren und wie man sie vermeidet.

Das Wetter trüb, die Tage dunkel und die Luft geschwängert vonAbgasen aus qualmenden Öfen und Heizungen. – In der kalten Jahreszeit würde man sich am liebsten zu Hause verkriechen. Allerdings ist man aber was die Luftqualität anbelangt in geschlossenen Räumen nicht immer auf der sicheren Seite: Kerzen, die man nun gerne wieder zur Hand nimmt, sind nämlich furchtbare Dreckschleudern. So unersetzlich sie für besinnliche Momente sind, sie sollten mit Bedacht ausgewählt, mitUmsicht aufgestellt und mit Fürsorge gepflegt werden. Schlechte Luft schädigt Lungen und Bronchien; eine Mitbeteiligung an Schlaganfällen und Herzinfarkten wird angenommen. Weil feinste Schmutzpartikel bis ins Hirn gelangen können, wird auch ein Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und der Alzheimer-Krankheit nicht ausgeschlossen.

Robert Gehrig vom Feinstaublabor der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt in Dübendorf hat Grösse und Anzahl der Feinstaubpartikel gemessen, die verschiedene Kerzentypen beim Abrennen ausstossen. Im Schnitt betrug ihr Durchmesser 100 Nanometer, also rund 0.0001 Millimeter. Diese Winzlinge können problemlos Blutgefässe und Zellwände passieren, wie Peter Gehr vom Institut für Anatomie der Universität Bern nachgewiesen hat: «So können sie in allen Organen verteilt werden, nicht zuletzt im Hirn», erklärt der emeritierte Professor.

Die Langzeitfolgen dieser Ablagerungen sind noch unerforscht, die unmittelbaren Folgen von feinstoffbelasteter Atemluft aber kennen wir alle aus eigener Erfahrung – Benommenheit und Konzentrationsstörungen. Hans-Peter Hutter vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien warnt: «Wer sich häufig und länger in schlechter Luft aufhält, muss damit rechnen, dass mittel- und langfristig bestimmte geistige Fähigkeiten nachlassen. » Heilbar sind chronische Schäden durch Feinstaub in der Regel nämlich nicht – allenfalls lassen sich Beschwerden mit Medikamenten lindern. Vorbeugen ist hier also nicht nur besser als heilen. Die Verminderung von Risiken ist der einzig gangbare Weg. Die Lungenliga empfiehlt deshalb beim Anzünden von Kerzen in Innenräumen folgende Vorsichtsmassnahmen:

  • Kaufen Sie qualitativ gute Kerzen; sie produzieren weniger Russ.
  • Wenn die Kerze brennt, sollte die Luft möglichst unbewegt sein. Durchzug lässt die Kerze flackern und verstärkt den Russausstoss.
  • Der Docht sollte nicht zu lang sein, sonst franst die Flamme aus. Ideal sind 10 bis 15 Millimeter.
  • Gut lüften, sobald die Kerze ausgelöscht ist. Die Partikel sollen sich aus dem Raum davonmachen können.

Detaillierte Informationen finden Sie auf www.lungenliga.ch.