Lutz Fischer-Lamprecht ist Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Wettingen-Neuenhof – und ein Verfechter von Freiheitsrechten. Deshalb setzt er sich für den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden ein, der 2013 den NSA-Skandal auslöste.

  • Lutz Fischer-Lamprecht ist Pfarrer.
  • Gestrandet in Moskau
  • Vor wenigen Wochen hat Edward Snowden dem «Stern» ein Interview gewährt und geschildert, wie er in Moskau auf die Rückkehr in ein normales Leben hofft. Russland hat ihm eine Aufenthaltsbewilligung gewährt, trotz Auslieferungsgesuch der Vereinigten Staaten. Der Amerikaner war technische Fachkraft für die US-Geheimdienste CIA, NSA und DIA. Bei seiner Arbeit hatte er Zugang zu Informationen, die als streng geheim eingestuft wurden. Dazu gehörten amerikanische Programme zur Überwachung der weltweiten Internetkommunikation sowie ein noch umfassenderes britisches Überwachungssystem. Snowden enthüllte diese Machenschaften, was 2013 die NSA-Affäre auslöste.
  • Gleich als Erstes erwähnt Lutz Fischer-Lamprecht, dass er die Petition für Edward Snowden eigentlich nicht als Pfarrer, sondern als Privatperson lanciert hat. Dass sein Engagement bekannt wurde, hat er dann aber wieder seinem Beruf zu verdanken. Und als Pfarrer in der Öffentlichkeit, der sich für einen amerikanischen Whistleblower einsetzt, bekommt er zu hören, dass er sich doch lieber um seine eigenen Schäfchen kümmern soll. «Verantwortung ist für einen Theologen etwas Grundsätzliches, Nächstenliebe gilt weltweit für jeden, nicht nur für Angehörige meiner Kirchgemeinde», sagt Fischer dazu. Aber wie ist er eigentlich dazu gekommen, sich für den Amerikaner einzusetzen? «Ich bin oft im Internet, viel auf Facebook, manchmal auf Twitter. Bei einer Diskussion über Edward Snowden auf Facebook wurde diese Idee mit der Petition geboren», erzählt Fischer. «Snowden hat einmal gesagt, er käme gerne in die Schweiz. Diesem Staat mit seiner langen humanitären Tradition würde es gut anstehen, Snowden Asyl zu gewähren. Er hat gemerkt, dass etwas nicht gut läuft, dass gewisse Vorgänge nicht gesetzeskonform sind. Erst hat er versucht, das intern zu klären, aber dafür fand er kein Gehör. Dass er danach an die Öffentlichkeit gegangen ist, finde ich in einer Demokratie den richtigen Weg.»
  • Edward Snowden hat für seinen Einsatz einen hohen Preis bezahlt. Aber andere Menschen brauchen auch Schutz, warum soll die Schweiz sich ausgerechnet für Edward Snowden einsetzen? «Datenschutz finde ich wichtig. Man kann sich nicht für alles engagieren, ich habe mich jetzt unter anderem für diesen Menschen entschieden.»
  • Nach dem «Safe Harbor»-Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2015, das besagt, dass der amerikanische Geheimdienst mit seinen Abhörmethoden eine Grundrechtsverletzung begangen hat, ist Edward Snowden in Europa rehabilitiert. Asyl hat er deshalb aber noch von keinem Staat angeboten erhalten. «Für uns war dieser Entscheid der Startschuss für die Unterschriftensammlung.»
  • Jugend-Projekt
  • Wie die Geheimdienste unser Leben überwachen wurde von Edward Snowden enthüllt. Die «Spiegel»-Autoren Marcel Rosenbach und Holger Stark haben grosse Teile der von Edward Snowden bereitgestellten und als «streng geheim» eingestuften Dokumente aus den Datenbanken der NSA ausgewertet. In ihrem Buch zeigen sie die gesamte Dimension eines Überwachungsapparates auf, der nicht nur die Privatsphäre bedroht, sondern die Grundlagen demokratischer Gesellschaften – und damit selbst diejenigen, die bislang glaubten, sie hätten nichts zu verbergen. Der Fall Snowden eignet sich sehr gut für ein Jugend-Projekt, um gesellschaftsrelevante Fragen zu vertiefen. Die Gedanken von Pfarrer Lutz Fischer-Lamprecht können auf attraktive Weise jugendgerecht vertieft werden. Sie eigenen sich auch gut, um Gerechtigkeitsfragen zu erörtern: Verdient Snowden eine Strafe? Liegen die Amerikaner richtig oder der Europäische Menschengerichtshof? Wie ist die Rolle der Russen zu beurteilen?
·         Buchtipp
  • Marcel Rosenbach, Holger Stark: Der NSA-Komplex, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2014. 384 Seiten, Fr. 29.90. ISBN 978-3421046581.
·         Filmtipp
  • Oliver Stone: Snowden, Rainbow, 2017, DVD, 134 Minuten, Fr. 16.50.

 

Lutz Fischer-Lamprecht ist Pfarrer in der reformierten Kirchgemeinde Wettingen-Neuenhof – und ein Verfechter von Freiheitsrechten. Deshalb setzt er sich für den amerikanischen Whistleblower Edward Snowden ein, der 2013 den NSA-Skandal auslöste.

  • Lutz Fischer-Lamprecht ist Pfarrer.
    Fotos: Christine Schnapp
  • Gestrandet in Moskau
  • Vor wenigen Wochen hat Edward Snowden dem «Stern» ein Interview gewährt und geschildert, wie er in Moskau auf die Rückkehr in ein normales Leben hofft. Russland hat ihm eine Aufenthaltsbewilligung gewährt, trotz Auslieferungsgesuch der Vereinigten Staaten. Der Amerikaner war technische Fachkraft für die US-Geheimdienste CIA, NSA und DIA. Bei seiner Arbeit hatte er Zugang zu Informationen, die als streng geheim eingestuft wurden. Dazu gehörten amerikanische Programme zur Überwachung der weltweiten Internetkommunikation sowie ein noch umfassenderes britisches Überwachungssystem. Snowden enthüllte diese Machenschaften, was 2013 die NSA-Affäre auslöste.
  • Gleich als Erstes erwähnt Lutz Fischer-Lamprecht, dass er die Petition für Edward Snowden eigentlich nicht als Pfarrer, sondern als Privatperson lanciert hat. Dass sein Engagement bekannt wurde, hat er dann aber wieder seinem Beruf zu verdanken. Und als Pfarrer in der Öffentlichkeit, der sich für einen amerikanischen Whistleblower einsetzt, bekommt er zu hören, dass er sich doch lieber um seine eigenen Schäfchen kümmern soll. «Verantwortung ist für einen Theologen etwas Grundsätzliches, Nächstenliebe gilt weltweit für jeden, nicht nur für Angehörige meiner Kirchgemeinde», sagt Fischer dazu. Aber wie ist er eigentlich dazu gekommen, sich für den Amerikaner einzusetzen? «Ich bin oft im Internet, viel auf Facebook, manchmal auf Twitter. Bei einer Diskussion über Edward Snowden auf Facebook wurde diese Idee mit der Petition geboren», erzählt Fischer. «Snowden hat einmal gesagt, er käme gerne in die Schweiz. Diesem Staat mit seiner langen humanitären Tradition würde es gut anstehen, Snowden Asyl zu gewähren. Er hat gemerkt, dass etwas nicht gut läuft, dass gewisse Vorgänge nicht gesetzeskonform sind. Erst hat er versucht, das intern zu klären, aber dafür fand er kein Gehör. Dass er danach an die Öffentlichkeit gegangen ist, finde ich in einer Demokratie den richtigen Weg.»
  • Edward Snowden hat für seinen Einsatz einen hohen Preis bezahlt. Aber andere Menschen brauchen auch Schutz, warum soll die Schweiz sich ausgerechnet für Edward Snowden einsetzen? «Datenschutz finde ich wichtig. Man kann sich nicht für alles engagieren, ich habe mich jetzt unter anderem für diesen Menschen entschieden.»
  • Nach dem «Safe Harbor»-Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2015, das besagt, dass der amerikanische Geheimdienst mit seinen Abhörmethoden eine Grundrechtsverletzung begangen hat, ist Edward Snowden in Europa rehabilitiert. Asyl hat er deshalb aber noch von keinem Staat angeboten erhalten. «Für uns war dieser Entscheid der Startschuss für die Unterschriftensammlung.»
  • Jugend-Projekt
  • Wie die Geheimdienste unser Leben überwachen wurde von Edward Snowden enthüllt. Die «Spiegel»-Autoren Marcel Rosenbach und Holger Stark haben grosse Teile der von Edward Snowden bereitgestellten und als «streng geheim» eingestuften Dokumente aus den Datenbanken der NSA ausgewertet. In ihrem Buch zeigen sie die gesamte Dimension eines Überwachungsapparates auf, der nicht nur die Privatsphäre bedroht, sondern die Grundlagen demokratischer Gesellschaften – und damit selbst diejenigen, die bislang glaubten, sie hätten nichts zu verbergen. Der Fall Snowden eignet sich sehr gut für ein Jugend-Projekt, um gesellschaftsrelevante Fragen zu vertiefen. Die Gedanken von Pfarrer Lutz Fischer-Lamprecht können auf attraktive Weise jugendgerecht vertieft werden. Sie eigenen sich auch gut, um Gerechtigkeitsfragen zu erörtern: Verdient Snowden eine Strafe? Liegen die Amerikaner richtig oder der Europäische Menschengerichtshof? Wie ist die Rolle der Russen zu beurteilen?
·         Buchtipp
  • Marcel Rosenbach, Holger Stark: Der NSA-Komplex, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2014. 384 Seiten, Fr. 29.90. ISBN 978-3421046581.
·         Filmtipp
  • Oliver Stone: Snowden, Rainbow, 2017, DVD, 134 Minuten, Fr. 16.50.