Seit knapp zwei Jahren gelten neue Brandschutznormen. Bei Neu- und Umbauten ist die Kennzeichnung von Fluchtwegen Pflicht.

Die «Gemeindevorstehung» der Südtiroler Gemeinde Lüsen wurde vom königlich-kaiserlichen Kreiskommissär angewiesen, ein paar Leitern und Feuerhaken anzuschaffen und dafür zu sorgen, «dass Wasser nirgends fehle und wenigstens die Kirchen und Pfarrgebäude mit gefüllten Wasserböttichen versehen seyen». Das war 1819. Fast 200 Jahre später ist es mit Leitern und Bottichen nicht mehr getan. Detailliert regelt die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen Baunormen, Vorkehrungen zum Brandschutz sowie die Gestaltung und Kennzeichnung von Flucht- und Rettungswegen. Die Brandschutznorm «1-15de» beispielsweise regelt die Massnahmen des baulichen, des technischen und des abwehrenden Brandschutzes. «16-15de» bestimmt die Anzahl, die Beschaffenheit und die Länge der vorgeschriebenen Fluchtwege, in «17-15de» schliesslich geht es um deren Kennzeichnung und Beleuchtung. Zusammen bilden diese Normen die Brandschutzvorschriften, die seit dem 1. Januar 2015 für Neu- und Umbauten massgebend sind. Kirchengebäude werden in diesen Vorschriften wie Mehrzweckhallen behandelt, welche ab einer Belegung von 300 Personen über markierte Fluchtwege verfügen müssen. Gekennzeichnet werden Ausgänge und Fluchtwege mit sicherheitsbeleuchteten Rettungszeichen. Wenn die Fluchtrichtung nicht sofort ersichtlich ist oder die Ausgänge nicht von jedem Standort aus sichtbar sind, empfiehlt es sich, Richtungsanzeigen anzubringen. Rettungszeichen sind rechteckig auszuführen, mit weisser Schrift auf grünem Grund. Grüne Farbe darf für andere Zwecke nur verwendet werden, wenn Verwechslungen ausgeschlossen werden können.

Für ältere Gebäude gelten die Brandschutzvorschriften von 2003 beziehungsweise diejenigen aus der Zeit des Baus oder der letzten Renovation. Allerdings sind Eigentümer und Nutzer von Bauten und Anlagen aufgerufen, in Eigenverantwortung die Sicherheit von Personen und Sachen zu gewährleisten. Flucht- und Rettungswege müssen jederzeit frei gehalten werden. Anzahl, Anordnung, Breite und maximale Länge der Wege ergeben sich aus der Grösse, der Geometrie und der Belegung eines Gebäudes – exakte Angaben dazu macht die oben erwähnte Richtlinie «16-15de». Von Bedeutung sind insbesondere die Engpässe, die keinesfalls verstellt werden dürfen. Fluchttüren müssen sich ohne Hilfsmittel öffnen lassen und Brandschutztüren dürfen dürfen nicht mit Keilen blockiert werden.