Eine Frage des Tuns

So stellte sich Rosaria Greco mit ihrer 18-jährigen Tochter Sarah vor einen Supermarkt im Quartier Trastevere in Rom: «Wir baten die Leute, die einkaufen gingen, um Tomaten, Panettoni und Torroni. Aber wir waren auch für Olivenöl oder Mozzarella dankbar.» Mit ihrer Tochter bedient Rosaria Greco zusammen mit weiteren Freiwilligen um 140 Arme in der Kirche Santa Maria Assunta e San Giuseppe in Primavalle an der Peripherie von Rom. «Wir servieren als ersten Gang Lasagne mit Mozzarella, dann Fleisch oder Käse mit Kartoffelstock, Erbsen und Linsen, dazu Salat und schliesslich Panettone und Torrone mit Wein und Spumante.» Danach erhalten die Gäste Geschenke, die im Vorfeld gesammelt wurden. «In diesem Jahr kommen auch meine Mutter, meine Schwester, ihr Mann und mein Bruder an diese Tafel. Wir feiern zusammen mit den Armen, das hat für uns mehr Sinn als ein üppiges Nachtessen zu Hause», sagt die 54-jährige Mutter, die bei der RAI-Generaldirektion in einer Kaderposition arbeitet.

Diese Haltung hat inzwischen in Rom Schule gemacht. Mehrere 100 Freiwillige bedienen am 24. Dezember in Kirchen Randständige bis in den frühen Abend und stossen später zu Hause in kleinem Rahmen auf den Heiligen Abend an.

Evangelium im Hier und Jetzt

Promotorin dieser solidarischen Weihnachtsfeiern ist die Gemeinschaft Sant’Egidio. Gegründet wurde die Laienbewegung 1968 von Jugendlichen und Studenten, die «auf der Suche nach einem glaubwürdigen Leben waren». Andrea Riccardi, damals selbst noch Schüler, begann eine Gruppe von Kollegenzuversammeln, um das Evangelium im Hier und Jetzt umzusetzen. Die Urgemeinde aus der Apostelgeschichte und Franziskus von Assisi waren dabei die Vorbilder. Die kleine Gruppe nahm sich der Kinder in den Barackensiedlungen am Stadtrand von Rom an und bot ihnen eine «Scuola popolare» an, die nun als «Friedensschule» geführt wird. Heute stehen neben dem Gebet die «Freundschaft mit den Armen» und «der Dienst am Frieden» im Mittelpunkt der Aktivitäten. Die Solidarität mit den Armen in verschiedenen Lebenslagen wird als Friedensarbeit «in einem interreligiösen Dialog» gesehen. Die Gemeinschaft ist heute in 70 Ländern aktiv, an vielen Orten als Hilfswerk. Die Idee eines Weihnachtsmahls für die Armen wurde dabei in die ganze Welt getragen. So berichtet Sant’Egidio, dass inzwischen weltweit 180 000 bedürftige Menschen am 24. Dezember in Kirchen verwöhnt werden.

Das Weihnachtsessen in der katholischen Kirche Santa Maria Assunta e San Giuseppe in Primavalle an der Peripherie von Rom Foto: zVg