Der Blütenstaub hat sich auf den Fenstern und den Lamellen der Storen festgesetzt. Das ruft nach einer Reinigung, die aber oft mit erheblichen Risiken verbunden ist, die meist unterschätzt werden.

Die Fenster des neuen, modernen Gemeindehauses sind gross. Erst nach Fertigstellung realisierte die Gemeindeleistung, dass sich aber nicht alle öffnen lassen. Die fest verschraubten Fenster müssen deshalb separat von aussen und innen gereinigt werden. Im Erdgeschoss ist das kein Problem. Schwierig wird es aber bereits im ersten Stock. Von unten aus gesehen, ist zwar der erste Stock nicht hoch. Klettert man aber auf der Leiter in die erste Etage hoch, offenbart sich eine andere Wahrnehmung. Zudem ist auf der Leiter der Aktionsradius erheblich eingeschränkt. Und jeder weiss: Putzen ist eine schwere körperliche Tätigkeit. Oft ist die Reinigung mit einer ungünstigen Körperhaltung verbunden. Besonders bei der Fenster- und Rollladenreinigung. Hinzu kommen weitere belastende Faktoren, wie Hitze, Kälte oder Wind. Schmerzen im Bewegungsapparat, Hautreizungen und Verletzungen sind oft die Folgen eines solchen Einsatzes. Mit präventiven Strategien kann jedoch die Gesundheitssituation positiv beeinflusst werden. Zentral dafür ist die Ermittlung und Beurteilung der Gefahren. Erst wenn die typischen Gefahrensituationen evaluiert und aufgelistet sind, können Sicherheit und Gesundheitsschutz stattfinden. Bei der Evaluierung der Gefahren ist es wichtig, die für die Reinigung Zuständigen miteinzubeziehen. Gefahren und Schutzmassnahmen sind gemeinsam zu erörtern. Wo soll die Leiter für die Fensterreinigung hingestellt werden? Genügt die Unterlage oder braucht es ein stabiles Brett zur Abstützung? Ist eine zweite Person notwendig, die die Leiter sichert und den Wasserkessel reicht?

Viel improvisiert

In der Gebäudereinigung sind vor allem Frauen tätig. Viele haben einen Migrationshintergrund. Die unterschiedliche ethnisch-kulturelle Herkunft und die unterschiedlichen Sprachkenntnisse sind der Sicherheit vor Ort nicht förderlich. Es wird improvisiert, um den guten Willen zu zeigen. Vorsichtsmassnahmen kommen dabei zu kurz, weil das Wissen fehlt oder diese wegen Sprachbarrieren nicht ausreichend vermittelt werden konnten. Das geht schnell auf Kosten des Arbeitnehmerschutzes, der vor allem bei den von aussen und in höheren Lagen durchzuführenden Fensterreinigungen unabdingbar ist, wie der Fall des neuen, modernen Gemeindebaus dokumentiert. Dort nämlich wollte der aus dem Balkan stammende Hauswart das Reinigungsproblem auf kreative Art lösen. Er hatte sich eine lange Stange besorgt, um auf der Leiter – vom ersten Stock aus – das Fenster im zweiten Stock zu reinigen. Die lange Stange verursachte aber bei einer Seitenlage eine Hebelwirkung auf die Leiter. Nur dank einem Schutzengel fiel der Hauswart nicht von der Leiter. Der Vorfall und die Tatsache, dass auf diese Weise keine gute Reinigung möglich ist, führten zur Verpflichtung eines professionellen Fensterreinigungsunternehmens. Zwei Mal im Jahr fahren die Profis nun vor, um mit einer mobilen Hebebühne die fest verschraubten Fenster im ersten und zweiten Stock von aussen zu reinigen, fast risikolos und gut abgesichert.

Gut zu wissen:

  • Bei einer Temperaturvon unter zehn Grad Celsius sollten Fenster nicht geputzt werden. Das Wasser bleibt zu lange auf dem Glas, was zu unschönen Striemen führt. Im Hochsommer bei starker Sonneneinstrahlung können sich ebenfalls Streifen bilden, weil das Wasser zu schnell verdampft.
  • Fensterrahmen sollten zuerst gereinigt werden. Holzrahmen sollte man mit wenig Flüssigkeit reinigen, weil Holz schnell Wasser aufsaugt.
  • Beim Reinigen der Scheiben muss immer oben begonnen werden, weil das Schmutzwasser seitlich abfliesst. Gute Bewertungen bei Tests haben die Fenstersauger erhalten, die das Schmutzwasser vom Gummischaber absaugen.
  • Ein Regenbogen auf dem gereinigten Fensterglas bildet sich nur, wenn zu viel Reinigungsmittel im Wasser ist. Einige Spritzer eines Geschirrspülmittels eignen sich gut für die Fensterreinigung.
  • Früher waren Essig und Zeitungspapier beliebt. Doch Essig hinterlässt einen bläulichen Schimmer auf dem Glas und greift Fensterrahmen an. Zeitungen können Druckerschwärze auf weissen Fensterrahmen hinterlassen.