• Die «Kirchliche Fachstelle Jugend» in Solothurn ist Anlaufstelle für alle kirchlichen Jugendarbeiter der Katholiken im Kanton. Ein Gespräch mit ihrem Leiter Thomas Boutellier dokumentiert die Folgen von Pastoralräumen.
  • Wie hat sich die kirchliche Jugendarbeit über die Jahre verändert?
  • Jugendliche scheinen auf den ersten Blick unverbindlicher zu sein als früher. Statt regelmässiger Veranstaltungen bevorzugen sie einmalige Events. Das zeigt sich etwa daran, dass klassische Einrichtungen wie der Jugendtreff weniger frequentiert werden. Trotzdem: Wenn sie sich für etwas begeistern lassen, beispielsweise für einen Firmkurs, sind sie durchaus bereit sich zu verpflichten, denn im Grunde ist es gerade die Verbindlichkeit, die sie in einer unverbindlichen Welt suchen.
  • Der Kanton Solothurn hat 82 Pfarreien. Sie sollen nach und nach zu insgesamt 19 Pastoralräume zusammengelegt werden. Welche Herausforderungen stellen sich in diesen neuen Seelsorgeeinheiten?
  • Es fehlt an qualifizierten Leuten. Wir verfügen im Kanton Solothurn nur über eine Handvoll ausgebildete kirchliche Jugendarbeiter. Aber nur mit ihnen lässt sich eine professionelle und nachhaltige Jugendarbeit aufbauen.
  • Sind finanzielle Mittel für mehr Personal vorhanden?
  • Natürlich müssen Kirchgemeinden eher sparen. Aber Pastoralräume sind gerade für Gemeinden mit kleinem Budget eine Chance, weil mehrere Pfarreien zusammenarbeiten und so Ressourcen gespart werden können. Gleichzeitig findet eine Professionalisierung der Jugendarbeit statt. Für beides ist der Pastoralraum Gäu ein anschauliches Beispiel. Die ursprünglich 80 Stellenprozente für die kirchliche Jugendarbeit werden zurzeit ausgebaut. Die Jugendarbeit hat sich hier in einem Raum etabliert, indem es vor vier Jahren nicht mehr als eine Jubla und fünf Ministranten gab.
  • Ist die Verantwortung für ein so gossräumiges Gebiet nicht eine Überforderung für kirchliche Jugendarbeiter?
  • Es braucht den Zusammenschluss, weil ein Jugendarbeiter, dessen Einsatzgebiet sich auf eine einzige Pfarrei beschränkt, in der Regel nicht ausgelastet ist. Ausserdem ist es eine Frage der Organisation. Kirchliche Jugendarbeiter stehen nie alleine da, sondern können auf die Unterstützung von Mitarbeitern und Freiwilligen zählen.
  • Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit?
  • Die Jugendlichen sind sehr ehrlich. Sie sagen rundheraus, was ihnen passt und was nicht. Obwohl ich auf der Fachstelle nicht in direktem Kontakt zu ihnen stehe, sondern eine beratende Funktion für Jugendarbeiter und Gemeindeleiter einnehme, bin ich ja auch oft in den Pfarreien unterwegs und pflege dort Kontakt zu den Jugendlichen.
  • irmung 2016 in Oberbuchsiten unter dem Motto «Glaubsch dra? I believe». Thomas Boutellier sieht in der Schaffung von Pastoralräumen eine Chance für die Entwicklung der Jugendarbeit. Foto: zVg