Drei Gremien bestimmen in der katholischen Kirche den Alltag einer Pfarrei. Sie werden aber oft durcheinander gebracht: Kirchenpflege, Pfarrkirchenstiftungsrat und Pfarreirat.

Das Schlüsselwort lautet: dual. Denn die römisch-katholische Kirche in der Schweiz ist vom dualen System bestimmt. Gemeint ist damit das Zusammenwirken von weltweit gültiger innerkirchlicher, hierarchischer Struktur und demokratischer Verfassung in der Kirchgemeinde. Die innerkirchliche Befugnis ist von oben nach unten organisiert, die demokratische Kontrolle der Kirchgemeinde von unten nach oben.

Wie kam es dazu? In der Schweiz haben die meisten Kantone die katholische Kirche öffentlich-rechtlich anerkannt und ihr damit das Recht eingeräumt, von den Mitgliedern Steuern zu erheben. Dafür musste die Kirche im Gegenzug eine demokratische Kontrollstruktur schaffen.

Kirchenpflege

In der Kirchgemeinde handelt es sich um ein Gremium, das von der Gemeindeversammlung gewählt und in der Regel als Kirchenpflege bezeichnet wird. Dieser demokratisch gewählte Ausschuss der Gemeinde hat die Ausgabenhoheit. Die Kirchenpflege ist deshalb auch Anstellungsbehörde, Personalchefin und dergleichen mehr. Für pastorale Entscheide sind der Bischof und seine Vertreter zuständig, für die finanziellen Konsequenzen aber die Kirchenpflege. Das bedingt ein Zusammenwirken, das zu Konflikten führen kann. Das Hauptproblem der Kirchenpflege liegt aber heute darin, dass sich nur schwer Kandidaten für dieses Amt finden lassen. Obschon ein Sitzungsgeld für dieses Ehrenamt bezahlt wird (je nach Kanton um die 100 Franken pro Sitzung plus Grundhonorar), steht der Gesamtzeitaufwand in keiner Relation zur Entschädigung. Hinzu kommt, dass diese Gremien heute oft aus «Gleichgeschalteten» bestehen und die Kirchgemeinde hinsichtlich der Durchmischung von Frauen und Männern, Jüngeren und Älteren, In- und Ausländern schlecht abbilden. Vor allem das Präsidium erweist sich oft als «Sesselkleberamt», wie die Auseinandersetzung in der katholischen Gemeinde Egg ZH dokumentiert, wo der Kirchenpflegepräsident schon 38 Jahre im Amt ist und immer noch nicht gemerkt hat, dass es längst Zeit für einen Rückzug wäre. Zwar werden die Mitglieder alle vier Jahre gewählt, aber Kampfwahlen sind in diesem Bereich unbekannt. Die Kirchenpflege legt der Gemeindeversammlung zweimal pro Jahr die Schlussrechnung beziehungsweise das Budget zur Abstimmung vor, doch diese Gemeindeversammlungen sind in der Regel schlecht besucht und bestehen oft hauptsächlich aus den Mitgliedern der Kirchenpflege und des Pfarreirats. Die Absenz der Gemeindemehrheit geht Hand in Hand mit deren Absenz bei den Gottesdiensten, obschon sie weiter Kirchensteuer bezahlen.

Pfarrkirchenstiftung

Das duale System der Kontrolle innerhalb der Kirche hat zur Schaffung der Pfarrkirchenstiftungen geführt. Diese Stiftungen sind die Eigentümerinnen der kirchlichen Bauten, also etwa der Kirche, des Pfarrhauses und des Gemeindesaales. Diese Ausgliederung erfolgte, damit die Kirchenpflege beziehungsweise die Gemeindeversammlung nicht beschliessen kann, beispielsweise eine Kirche in Eigentumswohnungen umzubauen oder ein leeres Pfarrhaus zu verkaufen. Die Pfarrkirchenstiftung wird von einem Stiftungsrat geleitet, der in der Regel vom Pfarrer oder Pfarradministrator der Gemeinde präsidiert wird. Gegen sämtliche Entscheide des Stiftungsrates hat der zuständige Bischof ein Vetorecht, und es ist auch der Bischof, der die Stiftungsräte ernennt, auf unbestimmte Zeit. Das ist ein Problem, in vielen Gemeinden sind die Stiftungsratssitzungen «geriatrische» Veranstaltungen, da betagte Stiftungsräte von achtzig und mehr Jahren nicht mehr an einen Rücktritt denken. Oft muss er ihnen nahegelegt werden, was kein leichtes Unterfangen ist, weil das Amt für sie eine soziale Bedeutung hat. Denn oft wird das Ehrenamt mit einem gemeinsamen Essen pro Jahr entschädigt. Der Stiftungsrat kann sich auch ein Sitzungsgeld auszahlen. Die Pfarrkirchenstiftung ist Eigentümerin der Immobilien, für den Unterhalt der kirchlichen Immobilien muss aber die Kirchgemeinde mit den Steuergeldern aufkommen. Deshalb ist ein Zusammenspiel zwischen Kirchenpflege und Stiftungsrat notwendig. Die Pfarrkirchenstiftungen sind von den Steuern befreit, was zunehmend für Kritik sorgt. So forderte die Zürcher FDP-Nationalrätin Doris Fiala in einer Interpellation mehr Transparenz bei religiösen Stiftungen. Viele Pfarrkirchenstiftungen verfügen über Wohnhäuser, die erhebliche Einträge generieren. In vielen Stiftungen werden diese Gelder als Reserven für die Seelsorge gesehen, falls die Einnahmen aus der Kirchensteuer massiv zurückgehen sollten.

Der Pfarreirat

Der Pfarreirat, das dritte Gremium, das im Alltag der Pfarrei eine wichtige Rolle spielt, ist rein auf Dienstleistung ausgerichtet. Der Pfarreirat richtet die Apéros nach dem Gottesdienst aus. Er organisiert das Pfarreifest oder plant Angebote für Jugendliche oder Senioren. Aber auch der Schaukasten der Pfarrei oder der Internetauftritt sind Themen, die in einem Pfarreirat vertieft werden. Geleitet wird er von einem Präsidium, und an den Sitzungen nimmt in der Regel ein Mitglied des Seelsorgeteams teil, und auch ein Vertreter der Kirchenpflege. Auf dem Pfarreirat lastet das Image, ein Frauengremium zu sein, das fürs Kochen und Abwaschen zuständig ist. Männer meiden deshalb aus Imagegründen den Pfarreirat und wählen für die Freiwilligenarbeit nur die Kirchenpflege oder den Pfarrkirchenstiftungsrat.

Informationsfluss

Die drei Gremien funktionieren somit wie Zahnräder, die ineinandergreifen, was bei einzelnen Mitgliedern zu einem grossen Sitzungsaufwand führen kann, weil sie als Kirchenpfleger noch im Pfarreirat oder im Stiftungsrat sitzen. Und oft erweist sich dieser Beisitz als Alibiübungen, weil die Informationen doch nicht von einem Gremium ins andere fliessen. Denn das duale System führt in der Praxis gern auch zu einem dualen System unter den Gremien: zu einem Nebeneinander von offiziellen harmlosen und inoffiziellen brisanten Informationen.

Der Pfarreirat sorgt an Apéros nach Gottesdiensten für gute Stimmung. Foto: pixabay.com