Ein Sakristan, Sigrist, Mesmer oder kirchlicher Hauswart – je nach Kirche ist die Berufsbezeichnung unterschiedlich – muss heute immer mehr können. Das haben die Mitglieder der Aufsichtsbehörden der Kirchen oft zu wenig im Blick.

Vielseitige Anforderungen

Für die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gruppen und Kreisen, den Besuchern, Gästen und Teilnehmern der gottesdienstlichen und anderen kirchlichen Veranstaltungen der Kirchgemeinden ist gute Kontaktfähigkeit erforderlich. Darum gehören in diesem Dienst entsprechende Umgangsformen zu den Grundanforderungen.

  • Zu der Anforderung ist heute für die Planung unbedingt das Können eines Logistikers gefragt, der, nebst der Erfahrung, vernetzt denken kann.
  • Handwerkliches Können wird erwartet.
  • Daneben sind selbstständiges Arbeiten und die Fähigkeit, selbstständig Entscheidungen treffen zu können, im Rahmen der Aufgabenübertragung, eine wichtige Voraussetzung zu diesem Beruf.
  • Er muss Prioritäten setzen können und flexibel sein.
  • Er muss bereit sein, Wochenenddienste zu verrichten, und sich bewusst sein, dass nur ein freies Wochenende pro Monat zur Verfügung steht, ausser es werde anders geregelt in der Kirchgemeinde.
  • Es ist von Vorteil, wenn PC-Kenntnisse vorhanden sind.

Diese Voraussetzungen sollten in eine christliche Lebensweise, die der Bedeutung des Dienstes entspricht, ebenso eingebunden sein wie die Liebe zu diesem Dienst. Aus: Berufsbild Schweizerischer Sigristen-Verband

Wie viele Sakristane und Sigristen in der Schweiz in Vollzeitstellen und im Nebenamt arbeiten, ist unklar. Der Schweizerische Sakristanenverband zählt um 1200 Aktivmitglieder, fast hälftig Männer und Frauen. Aber in der Schweiz gibt es knapp 1600 katholische Pfarreien, was zum Schluss zwingt, dass nebenamtliche Sakristane wohl nicht im Berufsverband organisiert sind. Der Schweizerische Sigristen-Verband zählt XX Mitglieder. Meistens bemerken Gemeinde- und Behördenmitglieder nur einen Bruchteil der Arbeit, die Sakristane und Sigristen leisten. Sie kümmern sich in kleinen Pfarreien auch noch um die Buchhaltung oder helfen in der Jugendarbeit mit. Ihre Arbeitszeiten sind unregelmässig, und sie müssen mit den unterschiedlichsten Menschen umgehen können – mit Kindern, Jugendlichen, Betagten oder Behinderten. Das dokumentiert das folgende Porträt.

Rita Huggler, katholische Kirche von Wassen

«Bei uns kommen viele Wanderer und Touristen vorbei. Die meisten interessieren sich vor allem für den Aussichtspunkt, der sich direkt neben unserem Friedhof befindet. In die Kirche oder das «Kapelleli» werfen die meisten höchstens einen kurzen Blick. Auch wenn Gottesdienst ist, kommen meist nicht viele Leute in die Kirche. Unsere Gemeinde zählt etwa 400 Mitglieder, aber manchmal sitzen am Wochenende nur sechs Menschen in den Kirchenbänken. Das kann schon frustrierend sein – vor allem, wenn unser Seelsorgeteam den Gottesdienst lange vorbereitet hat. An Abdankungen oder Feiertagen kommen dafür manchmal mehr als hundert Personen. Da wir ein kleines Team sind, habe ich bei den Gottesdiensten viel zu tun. Ich besorge die Hostien und den Wein, wasche und bügle die Kirchenwäsche, lese aus der Bibel und helfe auch mal bei der Kommunion. Ausserdem sorge ich dafür, dass die Ministranten ihre Gewänder richtig anziehen und alles dabeihaben, was sie brauchen. Anfangs musste ich jeweils noch die Glocken läuten. Gibt es in der Kirche nichts zu tun, bin ich oft draussen auf dem Friedhof. Im Winter schaufle ich den Schnee von den Wegen, im Sommer reisse ich das Unkraut zwischen den Gräbern heraus, pflege den Friedhofsgarten und kümmere mich um das Gemeinschaftsgrab. Bei den Begräbnissen bin ich jeweils auch dabei und decke nach der Zeremonie das Grab zu. Als ich vor drei Jahren meine Stelle antrat, war alles sehr neu für mich – zuvor hatte ich im Service gearbeitet. Ich bekam die Stelle angeboten, als meine Vorgänger altershalber aufhören wollten. Neben der 30-Prozent-Stelle als Sakristanin habe ich eine 50-Prozent-Stelle im Hausdienst des Alters- und Pflegeheims gleich unterhalb der Kirche.»

Gefahren im Umgang

Beim Umgang mit dem Sakristan beziehungsweise Sigristen gibt es heute mehrere Gefahren, die das Arbeitsklima belasten können:

  • Überzeiten können nicht richtig kompensiert werden.
  • Der Anspruch auf ein freies Wochenende pro Monat steht nur auf dem Papier.
  • Die Freizeit wird immer wieder durchschnitten.
  • Es fehlt an einer vollwertigen Stellvertretung.
  • Es besteht kein klares Pflichtenheft mit Beschreibung für die einzelnen Arbeitsabläufe.
  • Es finden keine regelmässigen Gespräche mit der Arbeit gebenden Behörde statt.
  • Es werden keine Wochen- und Monatsrapporte über die Arbeitszeit geführt.

Niemals bei all dem geschäftigen Treiben vergessen, wo wir arbeiten, nämlich im «Gotteshaus – im Haus Gottes». Wenn dies nicht vergessen geht, ist es wunderschön, dessen Wächter zu sein.

An Abdankungen und hohen Feiertagen ist die Kirche gut besetzt – zwischendurch beherbergt Rita Huggler im «Chileli» Wassen aber nur ein paar wenige Besucher. Foto: Jonas Bühler