In der Grabeskirche in Jerusalem steht eine frisch renovierte Kapelle, unter der sich das
Höhlengrab von Jesus befunden haben soll. Die Restauratorin Antonia Moropoulou von
der Technischen Universität Athen ist überzeugt davon. Archäologe Dieter Vieweger
ortet es wenige Meter daneben.

Nach langem Hin und Her konnte die Kapelle in der Grabeskirche im Mai 2016 endlich renoviert werden. Denn sie wird von sechs christlichen Konfessionen verwaltet, die untereinander zerstritten sind. Deshalb verwahrt die muslimische Familie Joudeh seit mehreren Jahrhunderten die Schlüssel der Kirche, und ein Mitglied der ebenfalls muslimischen Familie Nusseibeh schliesst die Haupttür jeden Morgen auf. In streng vertraulichen Verhandlungen in Athen verständigten sich im Frühling 2016 schliesslich der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III, der armenische Patriarch Nourhan Manougian sowie namens der katholischen Kirche Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, die Arbeiten an der Grabeskapelle durchführen zu lassen.
Beauftragt damit war Antonia Moropoulou, Professorin an der Technischen Universität Athen und Expertin für solche Spezialfälle. Sie liess die Steinplatte in der Grabeskapelle anheben, unter der sich das Höhlengrab befinden sollte. Darunter
fand ihr Team aber eine weitere Platte und darunter Geröll. Nachdem das Material abgetragen war, kamen Felsengräber
zum Vorschein. Erste Quellen für diese Grabstätte resultieren aus dem Jahr 326, als Konstantin, der erste christliche
Kaiser, das Grab Jesu sichern liess. Seine Mutter Helena soll den Ort unter einem Venustempel bereits 325 besucht
haben. Gebettet in weichem Stein Dieter Vieweger, Leiter des Deutschen Evangelischen Institutes für Altertumswissenschaft des Heiligen Landes, gilt als der führende Archäologe in Jerusalem. Sein zentrales Thema ist, die wenigen Tage von Jesu Ankunft in Jerusalem bis zu seiner Hinrichtung zu dokumentieren. Das letzte Abendmahl soll in der Jerusalemer Oberstadt stattgefunden haben, was aber auf Legenden der Kreuzritter zurückgeht und nicht belegt ist. Historische Quellen belegen derweil, dass Jesus zuerst dem Hohepriester vorgeführt wurde, erst dann Pontius Pilatus, dem römischen Präfekten. Dieser logierte, wenn er nicht in der Hafenstadt Cäsarea weilte, im Palast des früheren Königs Herodes. Das war neben dem Tempel
der grösste Bau in Jerusalem. Der Hohepriester durfte diesen Ort der Vielgötterei nicht betreten, um rein zu bleiben.

So erklärt sich das Hin und Her, das im Johannesevangelium beschrieben ist. Laut Archäologen lag Golgota innerhalb eines grossen Steinbruchs und blieb unberührt, weil dieser Felsstein zu weich für Bauten war. Antonia Moropoulou ist überzeugt davon, dass Kaiser Konstantin das Grab Jesu dort gefunden hatte und die Grabeskirche an der richtigen Stelle errichten liess. Vieweger hält es aber für möglich, dass das Grab von Jesus jenes ist, das heute als Grab von Josef von Arimathäa bezeichnet wird. Es ist in der Grabeskirche durch die Kapelle der Syrisch-Orthodoxen zugänglich, die wenige Meter neben der Grabeskapelle liegt.