• Ob alt oder modern – Kirchen sollten von einem Fachmann durch die Jahre begleitet werden. Spürt er frühzeitig Veränderungen am Bau auf, können teure Überraschungen verhindert werden. Doch wie findet man einen guten Baubegleiter?
  • Im Gegensatz zu Wohn- und Bürohäusern sowie Gebäuden der öffentlichen Verwaltung sind Kirchen besonders. Sie ragen durch ihre Architektur heraus, prägen das Bild des Quartiers und oft einer ganzen Stadt. Aus diesem Grund stehen sie in der Regel unter dem Schutz der Denkmalpflege. Das ist für die Öffentlichkeit ein Segen, für die Kirchenverantwortlichen aber oft eine Zusatzbelastung. Denn Sanierungen und Umbauten sind nur mit der Zustimmung der Denkmalschützer möglich. Veränderungen sind deshalb enge Grenzen gesetzt. Hinzu kommt, dass sich an der Baubewilligung beteiligte Ämter diametral widersprechen. Die Feuerpolizei fordert zum Beispiel einen Notausgang auf der Südseite, was die Denkmalpflege kategorisch ablehnt. Hinzu kommen gesetzlich vorgeschriebene Modernisierungen, zum Beispiel beim Brandschutz oder der Wärmedämmung, was leicht zu Interessenkollisionen mit der Denkmalpflege führt. Allein der tägliche Unterhalt erfordert einen erheblichen Aufwand, der bei grossen Kirchengebäuden schnell enorm wird. Diese Tatsachen führen dazu, dass die Thematisierung der Substanz von Kirchengebäuden in den verantwortlichen Behörden gern gemieden wird. Man hat Angst davor, mit einem Fass ohne Boden zu tun zu bekommen. Aus diesem Grund meiden die Gremien gerne eine permanente Überwachung der Bausubstanz und schieben Problembereiche vor sich hin. «Das machen wir dann bei einer Renovation», lautet jeweils die Lösung, wenn sich Fragen zur Bausubstanz ergeben. Oft ist das aber kein optimaler Entscheid. Denn ohne Fachwissen kann ein Zuwarten eine fatale Kostenfolge auslösen. Handwerker sind für dieses Fachwissen nicht die beste Adresse, weil ihre Interessenlage nicht transparent ist. Raten sie zu einer sofortigen Intervention, weil es um ihre Auftragslage schlecht bestellt ist? Oder sind sie völlig überlastet und meinen, das sei nicht so schlimm? Eine neutrale Meinung führt weiter. Zu finden ist sie bei Architekten oder Bauleitern.

·         Wertvolle Quelle: Pläne

  • Weg zu einem guten Berater
  • Fragen Sie Fachleute in Ihrer Kirchgemeinde, ob sie einen Berater empfehlen können, zum Beispiel ein renommiertes Architekturbüro oder einen Dozenten einer Fachhochschule. Erkundigen Sie sich bei umliegenden Kirchgemeinden nach einem geeigneten Berater. Holen Sie Referenzen ein. Meiden Sie Mitglieder aus Kirchenpflege oder Pfarreirat als Berater, weil das zu Interessenskollisionen führt. Meiden Sie einen Berater aus grosser Entfernung, denn die Beziehungsnähe zu zuständigen Behörden ist hilfreich.
  • Es empfiehlt sich, diese Beratung durch einen Architekten oder Bauleiter langfristig und nachhaltig auszurichten. Das setzt allerdings eine gezielte Suche voraus, die durch Nachfragen bei kundigen Gemeindemitgliedern erleichtert wird. Ist schliesslich der geeignete Fachmann gefunden, muss genügend Zeit für eine umfassende Begehung der Bausubstanz eingesetzt werden. Dem Berater sollten alle verfügbaren Pläne zur Verfügung gestellt werden. Bei älteren Kirchenimmobilien fehlen oft Detailpläne oder Dokumentationen von früheren Teilsanierungen. Fehlende Pläne sind deshalb bei den zuständigen Behörden zu organisieren, die sie in der Regel archiviert haben. Architekten und Bauleiter wissen, wo und wie diese Dokumente auffindbar sind. Es ist ratsam, sämtliche Pläne vom Berater digitalisieren zu lassen. Dieser Aufwand ist mit Kosten verbunden, erweist sich aber früher oder später jeweils als sinnvolle Investition.

·         Schwierige Abgrenzung

  • Nachdem sich der Berater über die Immobilie und deren Pläne ein Bild verschafft hat, können die Problembereiche definiert werden. Je besser ein Fachmann das Gebäude kennt, desto besser kann er eine Prioritätenliste erstellen. Bei jedem älteren Gebäude gibt es ein Muss, ein Kann, und ein «Wäre schön». Oft fällt eine Abgrenzung schwer, weil eine Intervention eine zweite begünstigt: «Wenn das gemacht wird, lohnt es sich, auch gleich noch jenes zu erneuern», lautet eine verbreitete Begründung. In diesen Fällen sind emotionsfreie Sachentscheide notwendig, die ein externer Berater am besten fällen kann. Es lohnt sich deshalb, auf den Berater zu hören. Hilfreich ist die Auflistung aller Probleme mit einer genauen Hierarchisierung. Eine Grobschätzung der Kosten erleichtert das Festsetzen von Prioritäten. Entscheidend dabei ist auch die Frage, ob für gewisse Sanierungen auch öffentliche Gelder gesprochen werden, zum Beispiel bei der Errichtung einer Solaranlage. Ein Fachmann ist in der Regel darüber im Bild oder er weiss, wo und wie nachfragen. Je nach Kostengutsprache können einzelne Vorhaben vorgezogen oder zurückgestellt werden. Diese Art von Begleitung hilft, die Kirchenimmobilie auf einem gewissen Niveau zu halten und dadurch über die Jahre hinweg erheblich sorgfältiger zu investieren und dadurch Kosten zu sparen.
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