Im Grunde ist die Darstellung der Himmelfahrt Jesu Christi, in diesem Jahr am 30. Mai, der Versuch,
in einer anderen Weise über die Auferstehung Jesu zu reden. Es geht um ein Geschehen zwischen
Himmel und Erde. Inspirationen für eine neue Sicht.

Auch in anderen Religionen und Mythen ist der Begriff der Himmelfahrt ein verbreitetes Motiv. Bereits altägyptische Vorstellungen vom Himmelsaufstieg bringen das Streben zum Ausdruck, zu einem höchsten Ziel zu gelangen. Der griechische Philosoph Platon wie der griechische Dichter Plutarch beschrieben Jenseitsreisen, in Homers «Ilias» findet man ebenfalls eine Entrückung. Auch hellenistische Mysterienreligionen und der römische Mithraskult gaben Anweisungen für eine Reise in den Himmel. Im Alten Testament ist die Entrückung von Henoch im Buch Genesis (Gen 5,24) beschrieben, nachdem er 365 Jahre auf der Erde gelebt hat, und die Himmelfahrt des Propheten Elija in einem feurigen Wagen (2 Kön 2,11). Das Judentum kennt die Legenden von der Himmelfahrt des Mose, deren Entstehung in das 1. Jahrhundert vor Christus zurückreicht, sowie die im 3. oder 4. Jahrhundert nach Christus in der heute vorliegenden Fassung stark christlich erweiterte neutestamentliche
apokryphe Erzählung von der Himmelfahrt des Jesaja. In Sure 4, Vers 157 des Korans heisst es, dass Isa ibn Maryam, also Jesus, keines natürlichen Todes gestorben sei, sondern von Gott zu sich erhoben wurde. Der Prophet Mohammed wurde laut islamischen Überlieferungen durch ein Wunder von Mekka nach Jerusalem versetzt, von wo aus er zum Himmel aufstieg. Eigentliche Botschaft

Nur Lukas berichtet im Neuen Testament wirklich von der Himmelfahrt Jesu, und das gleich auf zweifache Weise:
Was im Evangelium am Ende nur angedeutet ist, wird in der Apostelgeschichte ausführlich erzählt. Nach Lk 24,50–53 geht Jesus mit seinen Jüngern von Jerusalem bis in die Nähe von Betanien. Dort segnet er seine Jünger und wird in den Himmel aufgenommen. In der Apostelgeschichte (Apg 1,1–11) wird Jesus emporgehoben, eine Wolke nimmt ihn in den Himmel auf, von wo er, wie es zwei Engel den Jüngern sagen, dereinst wiederkommen wird. Die Wolke ist das Zeichen der verborgenen Gegenwart Gottes, sie umgibt Jesus ganz, sie hüllt ihn in die Liebe Gottes ein und ist eben kein Raumschiff.
In Lk 24 blickt die Darstellung der Auferstehung Jesu bereits voraus auf seine Himmelfahrt. Das ist die entscheidende Aussage: Jesus ist tatsächlich auferstanden und zu seinem Vater gegangen, dabei ist er aber nicht einfach der Welt völlig entrückt, sondern in ihr in einer ganz anderen und intensiveren Weise gegenwärtig. In diesem Sinne ist Christi Himmelfahrt wirklich eine weitere Entfaltung des Ostergeheimnisses. Und was geschah mit Jesus weiter im Himmel? Das erzählt Markus in seinem Evangelium (Mk 16,19): Nachdem er in den Himmel emporgehoben worden war, «setzte er sich zur Rechten Gottes». Die rechte Hand ist in der Bibel ein Bild der Kraft, Macht und Herrschaft. Die Rechte Gottes ist also der Platz der absoluten Autorität und der göttlichen Allmacht. Da sitzt nun Jesus «hoch über alle Fürsten und Gewalten, Mächte und Herrschaften und über jeden Namen» (Eph 1,21). In diesem Augenblick wurde sichtbar, was er zuvor seinen Jüngern auf der Erde gesagt hatte: «Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde» (Mt 28,18). In Apg 1 wird an der Himmelfahrt die Wiederkunft Jesu Christi veranschaulicht und die weltweite Mission der Jünger begründet. Es sind «zwei Männer in weissen Gewändern» (Apg 1,10), die den erstaunten und erst einmal ratlosen und traurigen Jüngern einen wichtigen Rat geben: «Was steht ihr da und schaut zum
Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgeaufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen» (Apg 1,11). Der Glaube versteht darum die Himmelfahrt Christi als den Scheitelpunkt der Zeit, weshalb seit dieser Stunde die Wiederkunft Jesu jeden Tag geschehen kann. Spuren in der Welt

In der ersten Präfation, also im Eingangswort zum Hochgebet in der Eucharistiefeier
am Himmelfahrtsfest, schauen die Engel Christus als «den Mittler zwischen Gott und den Menschen». Auf der Erde hat Christus Spuren hinterlassen, in denen auch die Menschen gehen können. Sie führen dahin, wohin er den Menschen vorausgegangen ist, zu Gott, seinem Vater. Von dort her zeigt er den Menschen, wozu sie bereits jetzt auf der Erde berufen sind, nämlich diese Hoffnung zu verbreiten – so, wie sie in unserer Zeit der Liedermacher und Kabarettist Hanns Dieter Hüsch (1925–2005) wunderbar zum Ausdruck gebracht hat: Du schenkst mir wieder festen Boden / Unter meinen zerbrechlichen Füssen / Auch wenn ich zu zweit oder mit vielen gehe / Bist du an meiner Seite / Denn dein ist die Welt / Dein sind Himmel und Erde / Da ist kein Zwischenraum kein Unterschied / Keine Grenze / Und wenn wir gehen / Gehen wir zum Himmel / Und wenn wir kommen / Kommen wir zur Erde / Und wenn wir auf der Erde straucheln / Hebst du uns auf in den Himmel / Denn Himmel und Erde sind Bruder und Schwester. ts